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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache (1968) 55

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Zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache* Seit gut hundert Jahren wird sprachwissenschaftlich versucht, die genaue- ren Urnstande der Entstehung unserer Schriftsprache kennenzulemen. Es liegen eine Reihe von Erklarungsversuchen vor, sie widersprechen sich stark, ja schlie- Ben sich gegenseitig weithin aus. Erkliirt sich diese auffallende Divergenz der Entstehungstheorien allein aus der Unzulanglichkeit der jeweils friiheren Zugrif- fe? Ich glaube das nicht. Ftir den aufmerksamen Beobachter verbirgt sich wohl mehr dahinter, die Divergenz hat Symptomcharakter. Es drangt sich namlich der SchluB auf, daB die Entstehung unserer Schriftsprache ein auBerst komplexer Vorgang gewesen sein muB, verwickelter als bei anderen europaischen Natio- nen, vielschichtiger als gemeinhin angenommen. Jeder Versuch, von Teilaspek- ten des Problems her zu einem umfassenden Verstandnis des ganzen Prozesses zu gelangen, scheint zum Scheitem verurteilt zu sein. Aber gerade ebendies hat die altere Forschung versucht, eine gewisse Einengung der Perspektive kenn- zeichnet nahezu aile bisherigen Bemtihungen. Sei es nun Einengung durch Be- schrankung auf einzelne Teilbereiche der Sprache (etwa die Laute etc.), sei es durch einseitige Festlegungen im sprachsoziologischen Feld, sei es in der Beur- teilung der kulturellen und politischen Gegebenheiten. Die Ergebnisse im ein- zelnen brauchen dabei nicht falsch zu sein, sie konnen durchaus der Reali tat na- hekommen, nur ihre Verallgemeinerung auf den GesamtprozeB ist unzulassig. Ich tibe nicht Kritik an einer vemtinftigen Untersuchungsbegrenzung - sie wird ja ohnehin diktiert vom verfiigbaren Material, vom Forschungsstand und von den Grenzen der eigenen Arbeitskraft -, ich wende mich nur gegen die vor- schnelle Folgerung. Sie hat im wesentlichen, wenn auch nicht allein,...

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