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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Hierarchie und Höflichkeit in der deutschen Sprache (1994) 383

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Hierarchie und Hoflichkeit in der deutschen Sprache1 Hoflichkeit im menschlichen Umgang ist eine Wohltat. Mit der Geste der Hoflichkeit sieht man von sich ab und wendet sich dem anderen, dem Gegen- iiber zu. Sie zollt ihm Respekt und bestatigt dessen Personlichkeit und Eigen- wert. Hoflichkeit schafft eine entspannte Situation fur einen wiirdigen Umgang miteinander. Das ist eine hohe Errungenschaft - miihselig errungen in Iangen Perioden der Menschheitsgeschichte und immer im Risiko der Annulierung, frii- her wie heute. Den anderen freimutig wiirdigen, das heiBt nicht mehr und nicht weniger, als den egozentrischen Urtrieb des Menschen zuruckzudammen in ei- nem Iangen ProzeB der Zivilisation. Was sind die bewegenden Motive fur diesen ProzeB? Sie mussen nach al- lem, was wir wissen, eher in auBeren Gegebenheiten und Notwendigkeiten frii- herer Zeiten gesucht werden, nicht in sublimierender Innerlichkeit. Letzteres ist eigentlich immer ein Spatprodukt langandauernder Entwicklung. Das gilt auch fur die Hoflichkeit. Was ich eingangs formuliert habe, klang nach ,HerzenshOf- lichkeit' - ohne Zwang und ohne Verstellung. Sie ist eine sublimierte Spatform, hervorgegangen ohne Zweifel aus ,handfesteren' Vorstufen der Entwicklung. Der Titel meines Beitrags koppelt Hierarchie und Hoflichkeit. Das ,und' laBt die Bezugsverhaltnisse zwischen Hierarchie und Hoflichkeit zunachst offen. Folgt man aber den Ergebnissen der neueren Zivilisationsforschung, so sind die Bezugsverhiiltnisse klar: Hoflichkeit ist ein Produkt der Hierarchie. Hierarchie meint Rangordnung, zunachst priesterliche, dann allgemein weltliche, meint Oberordnung, Unterordnung, soziale Abgrenzung, Herrschaft und Untertanen- status. Sprachliche Hoflichkeit ist also so etwas wie verordnete Sprachhierarchie - wobei es z. T. zweifelhaft ist, ob sie vornehmlich von...

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