Show Less

Quo vadis Türkei?

Zum Aufstieg der islamisch-konservativen Parteien in der Türkei und dessen Auswirkungen auf den EU-Beitrittsprozess

Series:

Hakan Özkan

Die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union waren bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts von großer Skepsis auf beiden Seiten geprägt. Seit der Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AK-Partei 2002 näherte sich die Türkei durch relevante gesetzliche Änderungen in Form der Harmonisierungspakete an Europa an, was den Beginn der EU-Verhandlungen bedeutete. Die jetzige Regierungspartei ist durch ihre bisherige politische Tätigkeit als «demokratisch-konservativ» zu definieren. Ihre Aktivitäten deuten auf keine Islamisierung, sondern eher auf eine Europäisierung hin. Das Ziel dieser Arbeit liegt darin, den Veränderungsprozess im Land und die Dimensionen eines EU-Beitritts herauszuarbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der sozialen, gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Tendenzen in der türkischen Politik sowohl nach 2002 als auch davor.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

Der Antrag der Türkei auf die Aufnahme in die Europäische Wirtschaftsgemein- schaft 1987 war, aufgrund der traditionellen Verbindungen zwischen Europa und der Türkei, ein logischer Schritt. Trotz turbulenter Jahrzehnte in der Innen- politik, die durch religiöse und wirtschaftliche Differenzen in der Gesellschaft gekennzeichnet waren, näherte sich die Türkei durch zahlreiche Reformen im- mer mehr an den Westen an. Die erste große Hürde wurde 2001 mit der Annahme der Beitrittspartner- schaft durch den Europäischen Rat bewältigt. Im Anschluss daran setzte die bis heute regierende AKP insgesamt acht Harmonisierungspakete um, in deren Rahmen die türkische Verfassung speziell in den Belangen Menschenrechte, Gleichstellung der Frau, Abschaffung der Todesstrafe und Folter, sowie Presse- und Meinungsfreiheit an westliche Standards herangeführt wurde. Die weiteren Verhandlungen nach 2005 kamen nicht zuletzt deshalb ins Sto- cken, weil der Zypernkonflikt noch immer nicht beigelegt war. Darüber hinaus gibt es von Seiten der europäischen Regierungen, aber auch seitens der westli- chen Gesellschaften, erhebliche Ressentiments, die Großteils aber eher emotio- nalen, denn faktenbasierten Argumenten basieren. Eines der wichtigsten belegbaren Bedenken betrifft die Entscheidungsstruk- turen der Europäischen Union, die einer Überarbeitung bedürfen, sofern die Türkei im Falle eines Beitritts nicht aufgrund ihrer, durch die Einwohnerzahl bedingte Stimmstärke, das politische Ruder gänzlich an sich reißen soll. Der zweite Hauptaspekt stellt aber auf die Nationen der Europäischen Union selbst ab, die einen Mangel an Bereitschaft an den Tag legen, sich übergeordne- ten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.