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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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2. Gefühle und christlicher Alltag

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2.1 Ein Choral und seine Wirkung In der Woche vom 17.–21.Oktober 2011 stellte in der Morgenandacht des Deutschlandfunks Pfarrer Ulrich Haag den Dichter Gerhard Tersteegen als Ver- fasser evangelischer Choraltexte vor. Das EG beschreibt G. Tersteegen S. 957 so: „Tersteegen, Gerhard, geb. 1697 in Moers (Niederrhein), erst Kaufmann in Mülheim/Ruhr, dann Bandwirker, um abgeschieden leben zu können; seit 1727 hielt er Erweckungsversammlungen und häusliche Erbauungsstunden, ein Seel- sorger in Gesprächen, Briefen und Schriften, ein hoch gebildeter Laientheologe und tiefgründiger Mystiker des reformierten Pietismus; seine Lieder in ‚Geistli- ches Blumengärtlein inniger Seelen‘ ab 1729 besingen die pilgernde Gemein- schaft der Gläubigen und kindlich vertrauende Anbetung Gottes; gest. 1769 in Mülheim/Ruhr.“ Pfarrer Haag wählte für seine Morgenandachten über G. Tersteegen das Lied EG 165: „Gott ist gegenwärtig“ aus. Am 18.10.2011 konzentrierte er sich auf die 3. Strophe: Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden; da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben. Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre, dir gebührt die Ehre. Pfarrer Haag legte das Hauptaugenmerk auf die beiden letzten Zeilen. 32 Gefühle und christlicher Alltag Dieser Aussage schloss er sich an. Ca. drei Monate zuvor wurde dieses Lied EG 165 bei uns im Gottesdienst ge- sungen. „Bei uns“ – das ist eine überschaubare und durchschnittliche Gemeinde in Berlin, im Stadtteil Wedding. Auch der 3.Vers wurde von allen anwesenden Gemeindegliedern gesungen, die sich zum Teil für den Gottesdienst...

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