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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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3. Jesus – Eine Problemanzeige

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3.1 Jesus der Verkündiger Nach meiner Ansicht existiert das Problem des Körperlichen, der Emotionalität im Christentum von Anfang an. Denn Jesus hat eingeschärft: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: „Du sollst nicht töten; wer tötet, der soll des Gerichts schuldig sein“. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz! Der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du gottloser Narr! Der ist des höllischen Feuers schuldig, Matthäus 5,21f. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen.“ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen, Matthäus 5,27f. Diese beiden Gegenüberstellungen „Ihr habe gehört … Ich aber sage euch“ sol- len exemplarisch für weitere in diesem Kapitel 5 des Matthäus-Evangeliums folgenden Gegenüberstellungen, auch Antithesen genannt, stehen. Die Absicht Jesu ist klar erkennbar. Konnte einer der Hörer sagen, er habe we- der getötet noch die Ehe gebrochen, also weder gegen das 5. oder das 6. Gebot verstoßen, also nicht gesündigt, stellt Jesus dagegen: Wer schon im Ansatz Re- gungen zu Mord oder Ehebruch in sich spürt, sündigt. Zu diesen im Ansatz spürbaren Regungen gehört auch der Zorn. Wer seinem Bruder zürnt, wird im Endgericht schuldig gesprochen. Auch das Ziel Jesu ist klar...

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