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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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5. Gott als Schöpfer der Welt und die Folgen

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5.1 Jesaja 40–55 Gezieltes Reden im Affekt findet sich schon einige hundert Jahre früher bei ei- nem Propheten im Exil in Babylon, den man mit dem Pseudonym Deutero- Jesaja bezeichnet. Die Luther-Bibel überschreibt seine Kapitel: Das Trostbuch von der Erlösung Israels (Jesaja, Kapitel 40–55). Kapitel 40 beginnt mit Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. In der nachexilischen Zeit bekam Gott andere Zuständigkeiten zugeschrieben. Gott wird nun als Schöpfer der Welt geglaubt und verehrt. Das verkündet der Deutero-Jesaja genannte Prophet. Wer, fragt der Prophet, misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage? Wer bestimmt den Geist des Herrn, und welcher Ratgeber unterweist ihn? … Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm als nichtig und eitel, Jesaja 40,11–13.17. Bemerkenswert ist hier der Redestil des Propheten. Vom Schöpfer-Gott wird nicht im erklärenden Stil gesprochen, so wie man es aus den Schöpfungsberich- ten 1. Mose 1 und 2 kennt. Es werden Fragen gestellt, die dann nur mit: Du Gott, beantwortet werden können oder auf die nur mit betretenem Schweigen reagiert werden kann: 72 Gott als Schöpfer der Welt und die Folgen Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist’s euch nicht von Anfang an ver- kündigt? Habt ihr’s nicht gelernt...

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