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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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6. Zwei Weisen, menschliche Gefühle zu verstehen

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6.1 Konsequenzen aus dem Vorangegangenen Meine Konsequenzen aus dem Vorangegangenen formuliere ich so: Gottes Zorn, willkürlich und mitunter tödlich, wurde zum Problem derer, die an ihn glauben. Um Gott vom Vorwurf, unberechenbar und willkürlich zu handeln zu befreien, wurde ein Unschuldiger gefunden, dem besonders anstößiges Handeln Gottes zugeschrieben wurde. Dieser Unschuldige kann sich nicht dagegen weh- ren, denn er galt schon als Wesen mit schlechtem Ruf (Hiob 1 und 2; Sacharia 3). Es muss eine große Erleichterung für fast alle Beteiligte gewesen sein, jetzt einen Sündenbock für Gottes willkürliches Handeln gefunden zu haben. Der einzige, der wohl nicht erleichtert war, war der Betroffene. Jedoch ist er ein We- sen ohne Substanz im ontologischen Sinne. Seine Wirklichkeit wird kommuni- ziert. Außerhalb der Kommunikation existiert dieses Wesen nicht. Jedoch reicht es nicht aus, einfach nicht mehr über es zu sprechen, um es zur Auflösung zu bringen. So wie alle geschichtlichen Konflikte nur entschärft werden können, wenn sie aufgearbeitet werden, ist es erforderlich, auch das Umschreiben will- kürlicher Handlungen Gottes aufzuarbeiten. Die oben erwähnten und kurz dar- Zwei Weisen, menschliche Gefühle zu verstehen 87 gestellten Analysen zum Zorne Gottes von W. Gross, J. Jeremias und I. Dalferth reichen dazu nicht aus, da sie nicht erklären, warum ein Unschuldiger beschul- digt werden darf. Es findet sich auch kein Gedanke bei ihnen, ob hier eventuell gegen das Verbot einer falschen Zeugenschaft verstoßen wurde. Der Autor oder die...

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