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Die Domkapitel in Österreich nach dem CIC/1983

Statutenreform und aktuelle Rechtsgestalt

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Franz Hasenhütl

Die Domkapitel zählen zu den traditionsreichsten Einrichtungen der katholischen Kirche. Infolge der nachkonziliaren Kodexreform kam es für die Kathedralkapitel jedoch zum Verlust von Titel und Stellung des senatus episcopi an den neu eingerichteten Priesterrat und zu weiteren Veränderungen im Kanonikerrecht. Die Domkapitel waren nun dazu aufgerufen, ihre Statuten als zentrales Regelungsinstrument der inneren Organisation zu überarbeiten und den neuen universalrechtlichen Vorgaben anzupassen. Die erneuerten Statuten der sieben bestehenden Domkapitel in Österreich und des Domkapitels von Brixen stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Um unmittelbare Vergleiche zu ermöglichen, werden die entsprechenden Regelungen zusammenschauend dargestellt. Neben der kirchenrechtlichen Bewertung geht es darum, Desiderate für künftige Entwicklungen zu formulieren.

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B Die Domkapitel im Codex Iuris Canonici von 1917

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I. Kanonikerkapitel Im ersten Teil des zweiten Buches zum Personenrecht enthält der CIC/1917 die Normen für die Kleriker („de clericis“) und behandelt in cc. 391–422 die Kano- nikerkapitel. 1. Begriff Wenn man von „capitulum“ spricht, so kann dieser Begriff im Gebrauch des kirchlichen Gesetzbuches von 1917 ein Dreifaches meinen. Einerseits den Ver- sammlungsort von Kanonikern, andererseits das Kollegium der Kanoniker und darüber hinaus das Kapitel als Rechtsinstitut. Der Codex nimmt im einleitenden c. 391 § 1 CIC/1917 auf letzteren Sinn Bezug:1 „Capitulum canonicorum sive cathedrale sive collegiale seu collegiatum est clericorum collegium ideo institutum ut sollemniorem cultum Deo in ecclesia exhibeat et, si agatur de Capitulo cathedrali, ut Episcopum, ad normam sacrorum canonum, tanquam eiusdem senatus et consilium, adiuvet, ac, sede vacante, eius vices suppleat in dioecesis regimine.“ Der kirchliche Gesetzgeber bezeichnet in c. 391 § 1 CIC/1917 die Kapitel als ein „clericorum collegium“, d. h. als ein Kollegium von Klerikern. Unter Klerikern sind jene Personen zu verstehen, die wenigstens durch Empfang der Tonsur dem Dienst Gottes geweiht sind (c. 108 CIC/1917). Laien können demnach nicht in ein Kapitel aufgenommen werden. Obwohl das Gesetzbuch nicht ausdrücklich davon spricht, gelten die Kathedral- kapitel als juristische Personen, was auch bei den Kollegiatkapiteln angenom- men wird.2 Die Kanonikerkapitel sind den kollegialen juristischen Personen („personae morales collegiales“3) zuzurechnen und müssen demnach aus min- destens drei physischen Personen bestehen (vgl. c. 100 § 2 CIC/1917). Die Mit- glieder sind an der Willensbildung des Kollegiums zu beteiligen. Als kollegiale juristische...

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