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Anreiz- und Entscheidungsnützlichkeit der bedingten Vorsicht

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Annette Witzleben

Nationale und internationale Rechnungslegungsregeln sehen eine asymmetrische Behandlung unrealisierter Erträge und Aufwendungen vor. Die Autorin untersucht die Auswirkungen dieser sogenannten bedingten Vorsicht auf die Anreiz- und Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung. Hierzu wird zwischen einer unternehmens- und einer regulierungsbezogenen Diskussionsebene unterschieden. Erstmals wird ein geschlossener Analyserahmen zur Strukturierung und kritischen Analyse formaler Modelle und empirischer Ergebnisse entwickelt. Aufbauend hierauf werden neuartige Einblicke in die Konsequenzen unterschiedlich starker Ausprägungen der bedingten Vorsicht gewonnen, die unter anderem helfen, aktuelle Entwicklungen in der Bilanzierung von Finanzinstrumenten und Fertigungsaufträgen zu beurteilen.

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7 Thesenförmige Zusammenfassung

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1. Alle bedeutenden Rechnungslegungssysteme gebieten eine erfolgswirksa- me Erfassung unrealisierter Aufwendungen und verbieten – wenn auch in unterschiedlichem Umfang – eine Antizipation künftiger Erträge. Diese sog. bedingte Vorsicht war in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand theoretischer und empirischer Studien. Hierbei wurde vorrangig ihr Ein- fluss auf die Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung untersucht, aber auch ihre Auswirkung auf die Anreiznützlichkeit, die zentral für die Erfüllung der Rechenschaftsfunktion ist. Die Befunde sind widersprüchlich und stehen unverbunden nebeneinander. Sie werden in der vorliegenden Arbeit erstmals in einem geschlossenen Analyserahmen strukturiert und kritisch gewürdigt. Hierbei werden auch neue Erkenntnisse gewonnen, die teilweise gängigen, scheinbar plausiblen Thesen widersprechen. 2. Um den Analyserahmen aufzuspannen, wird zum einen zwischen den bei- den Rechnungslegungsfunktionen differenziert und zum anderen werden zwei Diskussionsebenen voneinander abgegrenzt, die unterschiedliche Blickwinkel auf die bedingte Vorsicht einnehmen. Die erste, unterneh- mensbezogene Diskussionsebene betrachtet unternehmensübergreifende Unterschiede im Ausmaß der bedingten Vorsicht, die aus unterschiedlich starken Reaktionen auf negative Ereignisse resultieren. Die zweite, regulie- rungsbezogene Diskussionsebene fokussiert eine Abkehr vom Realisati- onsprinzip zugunsten einer symmetrischen Gewinnermittlung. Hierbei werden verschiedene Wertkonzepte zur Ermittlung unrealisierter Erträge und verschiedene Vermögenswerte betrachtet, um das Entscheidungsprob- lem eines Regulierers zu rekonstruieren. 3. Der Einfluss unternehmensspezifischer Ausprägungen der bedingten Vor- sicht auf die Anreiznützlichkeit wird von Kwon (2005) formal analysiert. Im Vergleich zum Vorgängermodell von Kwon/Newman/Suh (2001) ver- meidet er eine unrealistische Annahmenkonstellation, die eine Vermi- schung mit der regulierungsbezogenen Diskussionsebene verursachen wür- de. Dennoch darf der von Kwon...

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