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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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IV. Ein Blick zurück – Der Nouveau Roman: Robbe-Grillets Projet pour une Révolution à New York

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Der französische Roman hat von jeher äußerst sensibel auf Umwälzungen in der Gesellschaft reagiert, geradezu seismographisch gesellschaftliche Veränderun- gen aufgenommen, verarbeitet und vorweggedacht. Nun lässt sich seit rund fünfzig Jahren eine Entwicklung beobachten, ange- sichts derer die Literaturwissenschaft zur vordergründigen Einsicht gelangt, dass „alle elementaren Konstituenten eines Romans (...) in einem Maße abgebaut worden sind, dass die Bezeichnung ‚Roman‘ nun sowohl vom traditionellen wie vom strukturalistischen Verständnis her nicht mehr angebracht scheint.“149 Er- zählen wird verdächtig, Romane entstehen, die bei erster Betrachtung keine mehr sind. Angesichts dieser radikalen Befunde muss man sich die Frage stellen: Wie ist Erzählen in der Moderne noch möglich, bzw. wie lässt sich der Anspruch des Romans an die Welthaltigkeit noch einlösen in einer Zeit, in der Kritiker von einer „définition pertinente“ des Begriffs „Roman“ abrücken und die syntagma- tische Achse des „récit“ in Form der fonctions und actions als einzige Form der Beschreibung anführen.150 Dem Gegenstand angemessener und weiterführender scheint demgegenüber zunächst die Annahme von der fortgesetzten Welthaltigkeit des Romans, des sensorischen Erspürens von Strömungen, gesellschaftlichen Veränderungen bzw. die Frage nach dem Status und der Aussagemöglichkeit der Gattung Ro- man in der globalisierten Zivilgesellschaft. Um die fundamentalen Veränderungen der Romanwelt des ausgehenden 20. Jahrhunderts, auch unter dem Einfluss der virtuellen Welt, deutlich hervortreten zu lassen, empfiehlt sich zunächst die Rückwendung zu einer literarischen Strömung, die...

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