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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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V. Toussaint – Nachläufer oder Innovator?

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Robbe-Grillets Erzählen mündet keineswegs in eine Sackgasse, sondern bereitet in der Tat die „voie pour le roman futur“, wie zunächst am Beispiel Jean- Philippe Toussaint zu sehen ist, dessen Nähe zu den Nouveaux Romanciers in der Sekundärliteratur als unbestritten gilt. So führt Mirko Schmidt, der dem Autor eine recht umfassende Gesamtdar- stellung widmet, die „Vermeidung einer Psychologisierung, die mangelnde Tie- fenstruktur der literarischen Figuren, die Beschreibung der Welt in phänomeno- logischer Tradition“ sowie den zumeist photographischen Blick als augenfälligs- te Spuren des Nouveau Roman im Werk Toussaints an.325 In gleicher Weise äu- ßert sich Wolfgang Flügge zum Werk Toussaints: „Eine Fabel, Charaktere, eine Intrige können wir hier nicht rekonstruieren.“326 In diesem Zusammenhang macht die Sekundärliteratur ähnliche Beobachtungen wie bei Robbe-Grillet. Das in den Romanen Toussaints Beobachtbare, die zunächst scheinbare „Tiefenlosigkeit und Oberflächenkonzentrierung“327, geht deutlich auf die Über- zeugung der Nouveaux Romanciers zurück. Wolfgang Asholt spricht in diesem Zusammenhang auch vom Bis-an-die-Grenzen-der-Möglichkeit-Gehen, „die ‚histoire‘ aufzulösen“328 Auch Toussaint selbst betont die Verwandtschaft seines Schreibens zum Nouveau Roman. « Comme je suis publié chez Minuit et que c’était l’éditeur du Nouveau Roman, si l’on peut dire, il y a une sorte de continuation. (…) Et moi, je suis arrivé après la bataille. Quand j’ai commencé à écrire, la bataille avait eu lieu, et je dirais que le terrain avait été déblayé. Robbe-Grillet et les autres avaient fait tout le boulot, moi, je n’avais...

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