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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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VII. Beigbeder – Der neue Realismus?

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1. Die Werbewelt als virtuelle Wirklichkeit Mit Beigbeder tritt ein Autor auf den Plan, der wiederum ganz anders reagiert auf die lebensweltlichen Veränderungen als seine Vorgänger und der in seiner gesamten Ausrichtung weit entfernt ist vom herkömmlichen Bild des Literaten. Furore machte er mit seinem (wie Calvaire des chiens) im Jahr 2000 erschiene- nen Roman 99 francs, der sich bereits im Titel als Ware inszeniert und sich mo- ralisierend gegen eben diese Vermarktung aller Lebensbereiche wendet. Diese Widersprüchlichkeit im Vorgehen zieht sich durch das gesamte, nicht unumstrit- tene literarische Produkt. So paradox wie die Anlage des gesamten Romans sind auch die Aussagen des Romanhelden Octave: „Tout s’achète: l’amour, l’art, la planète Terre, vous, moi. J’écris ce livre pour me faire virer.“ (S. 15) In der fortgesetzten Grundhaltung des Zynismus entlarvt Beigbeder durch seinen Hel- den die Welt, in der er selbst tätig war und die sich nun (Aussagen Octave- Beigbeders zufolge) alles vereinnahmend über die gesamte Moderne legt: die Welt der Werbung. In seiner zynischen, bisweilen auch fatalistischen Einschätzung der durch die Werbung beherrschten Moderne macht es Beigbeder seinen Lesern nicht ein- fach, indem er zu leicht dazu verführt, seine Literatur mit den Begriffen „Sexua- lität, Psychiatrie, Drogen, Neoliberalismuskritik“446 zu belegen. Im Grunde je- doch lässt er, allem Anschein zum Trotz, ebenso wenig zementierte Aussagen zu wie die zuvor betrachteten Autoren. Zusammen mit Nonnenmacher kann man sich Göttlers Urteil als wohltuende Ausnahme im Reigen der polemisierenden...

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