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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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IX. Simulierte Narration als erzählerischerNeuanfang – Toussaints Faire l’amour

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217 IX. Simulierte Narration als erzählerischer Neuanfang – Toussaints Faire l’amour In welchem Maße die Elemente hyperrealen, simulierten Darstellens zu einer neuen erzählerischen Entfaltung führen können, lässt sich sehr deutlich an der Weiterentwicklung Toussaints nachvollziehen. So wird seinen Nachfolgero- manen eine bereits in La télévision begonnene deutliche Rückkehr zum Erzählen attestiert. Auch wenn sich der im Jahr 2002 erschienene Roman Faire l’amour vordergründig traditionell präsentiert und Toussaint selbst davon spricht, dass er in diesem Roman „die Psychologie nicht mehr gefürchtet hat und einige Adjek- tive verwendet“504, lässt sich doch gerade hier zeigen, wie vor dem Hintergrund der dargestellten Veränderungen Erzählen funktionieren kann und sich dabei dennoch grundlegend von der traditionellen literarischen Gestaltung unterschei- det. Mag Toussaint bei der Wahl der Thematik zu einem sehr konventionellen Erzählanlass – nämlich zur Geschichte einer Liebe bzw. deren Ende – zurückge- kehrt sein, so zeigt sich gerade hier, inwieweit das in einem vordergründig sehr viel deutlicher am Nouveau Roman ausgerichteten Roman wie La réticence Er- rungene in diesem Roman hinter der scheinbar traditionellen Fassade hervortritt und erzählerisch wirksam wird. Wie leicht sich dieser Roman zunächst in traditionelle Kategorien einreihen lässt, zeigt nicht nur die Tatsache, dass er in Frankreich ein breites Publikum anspricht, sondern auch die Begrifflichkeit der Kritik, die den Roman als „elegi- schen Roman über Trennung, Nacht und Schmerz“505 aufnahm. Und doch wer- den bei diesem literarischen Werk über...

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