Show Less

Re-Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989?

Redaktion: Florian Tuder

Series:

Alojz Ivanisevic

Die Wende von 1989 bzw. 1991 hat die Religionsgemeinschaften in den ehemals kommunistischen Staaten Südosteuropas auf die Bühne der politischen Öffentlichkeit zurückgebracht. Sie wurden aufgewertet, aber nicht unbedingt in spiritueller, sondern in institutioneller, politischer und nationaler Hinsicht. Heute, zwei Jahrzehnte nach der Wende, erheben die Religionsgemeinschaften Südosteuropas häufig den Führungsanspruch in der Gesellschaft – nicht nur in religiöser und moralischer, sondern auch in national-politischer Hinsicht. Bei ihren Versuchen, die Gesellschaft zu sakralisieren, profanisieren sie sich jedoch häufig selbst. Mit diesen Phänomenen befassen sich die in diesem Band enthaltenen Beiträge, die in Form von Referaten im Rahmen der vom 16. bis 18. September 2010 in Graz abgehaltenen Tagung «Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989» präsentiert und diskutiert wurden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Religion und Nation in Serbien, Bulgarien und Rumänien. Drei verschiedene Wege in Südosteuropa. Klaus Buchenau

Extract

61 Religion und Nation in Serbien, Bulgarien und Rumänien. Drei verschiedene Wege in Südosteuropa Klaus Buchenau Die Sakralisierung des öffentlichen Raums bedeutet in postsozialistischen Ländern meist etwas sehr Spezifisches: Es kehren nicht einfach ‚die Religionen‘ aus der Pri- vatsphäre auf Straßen, Plätze usw. zurück, um sich dort zu artikulieren. Das ist zwar auch mitunter der Fall, vor allem aber haben wir es mit ehemaligen religiösen Mo- nopolisten zu tun, die nach der Marginalisierung im Sozialismus wieder in ihre alte Stellung einrücken wollen – oder wenigstens in eine Stellung, die in manchem an die Zeit vor 1917 bzw. vor 1945 erinnert. Und um Politiker, die sich unter Berufung auf die religiöse Tradition als gute Vertreter der Mehrheitsbevölkerung darstellen. Das Wahlvolk soll zu ihnen Vertrauen fassen, indem sie den Eindruck gewinnen, dass sich hier jemand an über Jahrhunderte bewährte Werte hält. Das ist nicht un- wichtig in Gesellschaften, in denen das Vertrauen in staatliche Institutionen und Po- litiker schwach ist. Und nicht zuletzt geht es darum, dass sich eine Gemeinschaft neu aufstellt, sich nach dem Niedergang der kommunistischen Ideologie einen ande- ren Identitätsanker gibt. In der Regel geschieht dies unter Berufung auf die Nation, die vielerorts auch schon in der spätsozialistischen Zeit zunehmend anstelle der Klassensolidarität getreten war. Die Reaffirmierung des Nationalen ist sowohl bei Mehrheits- als auch bei Min- derheitsnationen zu beobachten. Sie kann, muss aber nicht zwangsläufig von religiö- sen Elementen begleitet sein....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.