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Re-Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989?

Redaktion: Florian Tuder

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Alojz Ivanisevic

Die Wende von 1989 bzw. 1991 hat die Religionsgemeinschaften in den ehemals kommunistischen Staaten Südosteuropas auf die Bühne der politischen Öffentlichkeit zurückgebracht. Sie wurden aufgewertet, aber nicht unbedingt in spiritueller, sondern in institutioneller, politischer und nationaler Hinsicht. Heute, zwei Jahrzehnte nach der Wende, erheben die Religionsgemeinschaften Südosteuropas häufig den Führungsanspruch in der Gesellschaft – nicht nur in religiöser und moralischer, sondern auch in national-politischer Hinsicht. Bei ihren Versuchen, die Gesellschaft zu sakralisieren, profanisieren sie sich jedoch häufig selbst. Mit diesen Phänomenen befassen sich die in diesem Band enthaltenen Beiträge, die in Form von Referaten im Rahmen der vom 16. bis 18. September 2010 in Graz abgehaltenen Tagung «Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989» präsentiert und diskutiert wurden.

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Die Rolle der Rumänisch-Orthodoxen Kirche nach der Wende 1989/90. Hans-Christian Maner

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85 Die Rolle der Rumänisch-Orthodoxen Kirche nach der Wende 1989/90 Hans-Christian Maner Den zentralen Ort im öffentlichen Bewusstsein in Rumänien in der Transformations- phase nimmt die Revolution von 1989 ein.1 Die Häufigkeit der Gedenkorte und -zeichen, die sich in jeder größeren Stadt finden, stehen jedoch keineswegs, was die Häufigkeit vielleicht suggerieren würde, für eine einvernehmliche gesellschaftliche Einordnung des vergangenen Geschehens. Die Hintergründe und der Verlauf der blutigen Revolution, die Erschießung der Ceauşescus markierten die wohl wichtigs- ten und gleichzeitig umstrittensten Punkte der gesellschaftlichen Umbrüche des Landes. Konkurrierende historische Deutungsversuche reichen von „Verrat“ über „Volksrevolution“ bis hin zu „Staatsstreich“.2 So wurde der Umsturz 1989 in vie- lerlei Hinsicht oftmals eher als „Palastrevolte“, als Machtkampf zwischen unter- schiedlichen Teilen der Nomenklatura und weniger als ein viel versprechender Be- ginn einer politischen Transformation gesehen. Wie groß die öffentliche Aufmerk- samkeit hinsichtlich dieser Ereignisse nach wie vor ist, zeigte sich im Juli 2010 an- lässlich der Exhumierung der Leichname des Ceauşescu-Ehepaares.3 Eine Komponente der zahlreichen Gedenkstätten und Denkmäler der Revolution sei hier noch erwähnt, womit ich mich allmählich auch dem Thema nähern würde, die vielen troiŃe – traditionelle, reich mit Ornamenten, Ikonen oder kleinen Skulptu- ren verzierte Votivkreuze aus Holz oder Stein, die an zahlreichen Orten im Land zum Gedenken an die Toten aufgestellt wurden, z.B. auf dem Universitätsplatz in Bukarest oder auch in zahlreichen anderen Orten des Landes. Durch die sakralisie- rende...

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