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Toilettengraffiti

Unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen

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Christiane Stumpf

Kommunikation in den unterschiedlichsten Realisierungsformen ist unser täglicher Begleiter. Selbst an den intimsten Orten kommunizieren Menschen miteinander. Einer dieser Orte ist die Toilettenkabine. Unbeobachtet und ohne sich zu kennen treten Männer und Frauen durch Toilettengraffiti an der Wand in Kontakt mit dem eigenen Geschlecht. Anhand einer Korpusanalyse werden in dieser Arbeit zentrale Fragestellungen zum «Nebenbeimedium» Graffiti untersucht: Wie unterscheidet sich das Kommunikationsverhalten der Geschlechter beim Schreiben an der Kabinenwand? Hat die Besonderheit des Ortes Einfluss auf die Textgestaltung und den Umgang miteinander? Welche unterschiedliche Bedeutung hat die Toilettenwand als Kommunikationsmedium für Männer und Frauen?

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1 Einleitung

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„[…] Beware of Bathroomwalls that’ve not been written on […]“1, ist einer der Ratschläge, die Bob Dylan in seinem Gedicht an Geraldine weitergibt. Die Wände von Toilettenkabinen gelten als inoffizielles Sprachrohr der Gesell- schaft. An ihnen werden Meinungen kundgetan, Probleme besprochen und Tabus gebrochen. Hier kann jeder aufschreiben, was in seinen Gedanken vorgeht und dies öffentlich an der Wand präsentieren – ohne Konsequenzen für sein Han- deln erwarten zu müssen. Landläufig werden die Beiträge, die man an Toiletten- wänden findet, als Graffiti bezeichnet. In der Sprachwissenschaft gelten diese Formen als Nebenbeimedien, da sie zwar überall zu finden sind, jedoch kaum wahrgenommen werden. Dementsprechend gering zeigt sich das wissenschaft- liche Forschungsinteresse in diesen Bereichen.2 Im speziellen Fall der Graffiti, die täglich an Toilettenwänden zu finden sind, bewegt man sich mit einer Unter- suchung demnach nicht nur in einem eher unerforschten Bereich, sondern viel- mehr auch in einem Grenzgebiet zwischen Forschungsreiz und der Beurteilung von Straftaten. Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser ungewöhnlichen Kommuni- kationssituation, in der Männer und Frauen getrennt voneinander das öffentlich machen, was sie bewegt. Hier soll aufgezeigt werden, in welchen Bereichen unterschiedliche Verhalten der Geschlechter bei dieser Kommunikationsform zu finden sind und wie sich die gefundenen Differenzen darstellen. Die Kom- munikationssituation selbst gilt dabei als besonders ungewöhnlich, da Per- sonen aus völliger Privatheit, anonym und getrennt vom anderen Geschlecht „öffentlich“ kommunizieren. Die Toilettenwand wird hierbei zum Medium, das die Sorgen, Meinungen oder Gefühle der Produzenten...

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