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Toilettengraffiti

Unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen

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Christiane Stumpf

Kommunikation in den unterschiedlichsten Realisierungsformen ist unser täglicher Begleiter. Selbst an den intimsten Orten kommunizieren Menschen miteinander. Einer dieser Orte ist die Toilettenkabine. Unbeobachtet und ohne sich zu kennen treten Männer und Frauen durch Toilettengraffiti an der Wand in Kontakt mit dem eigenen Geschlecht. Anhand einer Korpusanalyse werden in dieser Arbeit zentrale Fragestellungen zum «Nebenbeimedium» Graffiti untersucht: Wie unterscheidet sich das Kommunikationsverhalten der Geschlechter beim Schreiben an der Kabinenwand? Hat die Besonderheit des Ortes Einfluss auf die Textgestaltung und den Umgang miteinander? Welche unterschiedliche Bedeutung hat die Toilettenwand als Kommunikationsmedium für Männer und Frauen?

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2 Das Phänomen Graffiti

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2.1 Definitionen und Begrifflichkeiten Der Begriff Graffiti (einzeln Graffito)5 leitet sich etymologisch vom griechischen Wort graphein ab, was so viel wie kratzen bedeutet. Im italienischen Sprachraum entwickelte sich aus sgraffiare (= kratzen, das Gekratzte) Sgraf- fiti bzw. Graffiti. Beide Bezeichnungen standen synonym für eine Technik der Fassadenge- staltung, einer Kratzputztechnik, bei welcher verschiedenfarbige Putzschichten aufgetragen und dann durch Wegkratzen der oberen Schicht reliefartige Motive gestaltet werden.6 Vom 19. Jahrhundert an nutzten Archäologen und Altertumsforscher den Begriff Graffiti zur Benennung inoffizieller Schriften und Zeichnungen, denen sie bei Ausgrabungsarbeiten in vor allem antiken Stätten begegneten. „Die ebenfalls auf- findbaren aufgemalten Mitteilungen wurden Dipinti genannt. Später ging diese Unterscheidung im Zusammenhang mit der technischen Ausführung verloren und der Begriff Graffiti schloß alle inoffiziellen Botschaften ein.“7 Mitte des 20. Jahrhunderts versuchte Alan Dundes einen eigenen Begriff für die Inschriften an Toiletten zu etablieren.8 Der Begriff Latrina konnte sich jedoch nicht durch- setzen. Vielmehr blieb der bisher genutzte Begriff Graffiti auch für Inschriften in der Toilettenkabine als Oberbegriff bestehen. Auch der seit Ende der 1970er Jahre auftauchende Begriff Murales, der jene Graffiti bezeichnen sollte, bei denen die politische Botschaft gegenüber dem künstlerischen Aspekt überwiegt, setzte sich aufgrund der Schwierigkeiten bei der strikten Trennung der Merkmale nicht durch. Dies sind nur einige Beispiele, die deutlich machen sollen, wie vielfältig man sich bisher bei der Suche nach geeigneten Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen im Bereich der Graffiti auseinander gesetzt hat. Graffiti gilt heute als Oberbegriff für viele...

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