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Mythos Demokratie

Antike Herrschaftsmodelle im Spannungsfeld von Egalitätsprinzip und Eliteprinzip

Harald Haarmann

Demokratie ist das am weitesten verbreitete gesellschaftspolitische Modell in der Welt, und es wird lebhaft darüber diskutiert. Wir leben mit allerlei Vorstellungen von dem, was Demokratie ist oder sein könnte, und vieles davon ist mythisch verklärt. Wir glauben zu wissen, dass die Griechen der Antike diese Herrschaftsform erfunden hätten. In diesem Buch wird der sprach- und begriffsgeschichtliche sowie allgemein kulturwissenschaftliche Nachweis geführt, dass die Griechen viele Traditionen der vorgriechischen Bevölkerung angenommen und fortgesetzt haben, und dazu gehört auch das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung in den Dorfgemeinschaften (Demen). Die vorgriechischen Kulturen Südosteuropas sind inzwischen recht gut erforscht, so dass heutzutage Vergleiche zwischen dem Gesellschaftsmodell Alteuropas und den Herrschaftsformen der griechischen Antike auf festem Grund stehen. Die Ursprünge der griechischen Demokratie sind in der vorgriechischen Ära zu suchen. Die griechische Demokratie des Athener Staates erlangte Vorbildcharakter und wurde in späteren Perioden als rekursives Modell erneuert. Die Erkenntnisse zu kulturhistorischen Langzeitwirkungen fordern zu einem Paradigmenwechsel für die Antikenforschung heraus.

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Epilog: Wir waren schon mal da – Kulturgeschichte und der Regenbogeneffekt

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Die Anfänge der demokratischen Herrschaft im Athener Staat waren eingebettet in dramatisches politisches Geschehen. Auf dem Zenith seiner imperialen Macht, in der Blüte seiner demokratischen Herrschaft und im Glanz seines Kulturschaffens wurde Athen zum Vorbild für andere griechische Stadtstaaten. Perikles nannte den Athener Staat „die Schule von Hellas“. Ganz anders stand es mit dem Ende der Demokratiebewegung. Der für Athen verhängnisvolle Peloponnesische Krieg markiert den Beginn des schleichenden Niedergangs. Geradezu symbolisch für das, was dem Athener Staat bevorstand, kann die Pestepidemie gewertet werden, von der die Bevölkerung Attikas im Jahre 429 v. Chr. heimgesucht wurde. Die Pest raffte mehr als ein Drittel der Bevölkerung dahin, darunter auch Perikles. Athen seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert v. Chr.: Politische Ermüdung und Dekadenz Was die Praxis der Demokratie betrifft, so scheint es, als ob das Engagement der Bürger für die Alltagspolitik allmählich erlahmte, vielleicht weil in der Zeit der Not zu viele divergierende Interessen die politischen Entscheidungsprozesse behinder- ten, vielleicht auch, weil der politische Spielraum der demokratischen Institutionen durch die zwischenzeitliche Fremdherrschaft seit der zweiten Hälfte des 4. Jahr- hunderts v. Chr. hoffnungslos eingeschränkt wurde. Das Vasallenverhältnis, in dem der Athener Staat zu den mächtigen Reichen der Mazedonier (ab 321 v. Chr.) und später der Römer (ab 146 v. Chr.) stand, enthob die Bewohner Attikas ihrer politi- schen Eigenverantwortung, denn über die große Politik wurde nicht mehr in Athen, sondern anderswo entschieden. Die mazedonischen...

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