Show Less

Kultureller und sprachlicher Wandel von Wertbegriffen in Europa

Interdisziplinäre Perspektiven

Rosemarie Lühr, Natalia Mull, Jörg Oberthür and Hartmut Rosa

Der Sammelband dokumentiert Ergebnisse des in den Jahren 2007 bis 2010 an den Universitäten Jena und Halle gemeinsam mit internationalen Kooperationspartner/innen verfolgten Forschungsprojekts Normen- und Wertbegriffe in der Verständigung zwischen Ost- und Westeuropa. Das Forschungsvorhaben wurde von der Volkswagenstiftung im Rahmen des Programms Einheit in der Vielfalt? gefördert und stellt mit seiner Verknüpfung von linguistischen, philosophischen und soziologischen Betrachtungsweisen eine notwendige Perspektiverweiterung für die aktuellen politischen und kulturellen Auseinandersetzungen um den Vereinigungsprozess Europas dar. Die internationalen Beiträge untersuchen Kontinuität und Wandel in Europa, dessen Sprachen, Sinn- und Werteordnungen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

I. Die Analyse europäischer Wertsemantiken: Methodologische Zugänge

Extract

Zur Nützlichkeit des Kanonbegriffs für die Arbeit am Wörterbuch der west- und osteuropäischen Werte – wie kann man den (nationalen, europäischen) Kanon der Werte rekonstruieren? Jerzy Bartmiński, Monika Grzeszczak 1. Die Werte sind ein zentrales Thema der Studien der sich in den letzten Jahren entwickelnden Axiolinguistik (Puzynina 1982, 1992, 1997; Wierzbicka 1985, 1997, 1999; Arutjunova 1994, 1999, 2008, s. auch Band SS 2004; Fleischer 1995, 1998, 2003; Pisarek 2002, 2003; Bartmiński 1991, 2009c u. a.). Ange- sichts wichtiger Ereignisse des sozial-politischen Lebens, insbesondere bei der Verabschiedung von Dokumenten über das Gesellschaftsleben, werden sie zum Thema eines breiteren öffentlichen und medialen Diskurses. „Axiologisierte“ Dokumente waren beispielsweise „Die Allgemeine Erklärung der Menschen- rechte“ der Vereinten Nationen vom 10.12.1948, „Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union“ vom 14.12.2007 oder die staatliche Verfassung („Das Grundgesetz“) Polens. Ihre Annahme wurde immer durch Diskussionen über Werte eingeleitet, die letztendlich mit einem gesellschaftlichen Konsens abge- schlossen wurden. In den Präambeln zu derartigen Dokumenten wird auf ein bestimmtes System der Grundwerte zurückgegriffen, die de facto einen „axiolo- gischen Kanon“ bilden. Wesentlich sind dabei zwei Elemente: zum Ersten der Hinweis darauf, welches Wertesystem für die jeweilige Gemeinschaft wichtig ist, zum Zweiten – wie sie hier- archisiert sind, in welchen Beziehungen sie zueinander stehen. Doch in der Regel werden die angeführten Werte nicht definiert. Es wird angenommen, dass das Ver- stehen dieser Werte den semantischen Regeln der verwendeten Sprache entspricht. Ist das wirklich so? Wohl doch eher nicht. Die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.