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Spuren früher Textkompetenz

Schriftliche Instruktionen von ein- und mehrsprachigen 2.-KlässlerInnen im Vergleich

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Anne von Gunten

Diese Studie untersucht die instruktive Textkompetenz von 90 ein- und mehrsprachigen 2.-KlässlerInnen mit Migrationshintergrund anhand linguistischer Textanalysen und vergleicht diese Ergebnisse mit der orthographischen Kompetenz der Kinder. Es zeigt sich, dass die Anleitungen mehrheitlich bereits Spuren von Textkompetenz aufweisen, die Unterschiede zwischen ein- und mehrsprachigen Kindern gering ausfallen und in beiden Untersuchungsgruppen ein Zusammenhang zwischen instruktiver und orthographischer Kompetenz besteht. Entgegen gängiger Annahmen zum frühen Schreibentwicklungsstadium lassen sich in Ansätzen adressatenorientierte und textsortensensible Strategien der etwa 8-jährigen SchreiberInnen nachweisen, woraus didaktische Anregungen für den frühen Schreibunterricht abgeleitet werden.

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5 Darstellung und Interpretation der Resultate

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Aus textlinguistischer Perspektive werden im Folgenden die Schreibleistungen von ein- und mehrsprachigen SchülerInnen verglichen, wobei auch eine formal- sprachliche Ebene – das orthographische Können – für die Analyse einbezogen wird. Dabei interessieren vor allem solche kindlichen Ausdrucksformen, die Hinweise darauf liefern, dass die Schreibhaltung der ein- und mehrsprachigen SchülerInnen nicht mehr ausschliesslich als assoziativ, egozentriert oder emotio- nal beschrieben werden kann, sondern dass sich die Kinder in Bezug auf ver- schiedene Dimensionen der Textualität nicht mehr am Anfangspunkt ihrer Ent- wicklung befinden. In Abgrenzung zu defizitorientierten Analysen wird nicht nach Fehlleistungen oder Normverstössen der mehrsprachig aufgewachsenen Immigrantenkinder gesucht, sondern gezielt danach gefragt, welche instruktions- spezifischen Schreibstrategien in der 2. Klasse schon nachgewiesen werden kön- nen. Es stehen also frühe Textgestaltungslösungen im Zentrum der Analyse, die als positive Schreibleistung und damit als Reaktion auf die besonderen Charak- tereigenschaften der Textsorte „Instruktion“ gewertet werden können. Aus be- reits diskutierten Gründen (vgl. Kap. 2.3.6) wird der Adressatenorientierung der Kinder bei dieser Spurensuche besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In der Fachwelt besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Textsorte „In- struktion“ nicht monofunktional beschrieben werden kann. Wie in Kapitel 3.1 ausgeführt, erkennt Weber (1982, 6) in Instruktionen drei unterschiedliche Funk- tionen: 1) Instruktionen ersetzen materielle Handlungen. Die symbolische Vermittlung durch Sprache ermöglicht es, materielle Handlungsabläufe raum- und zeit- unabhängig zu machen. 2) Instruktionen bereiten zukünftige materielle Handlungen vor, indem durch die vermittelten Erfahrungen Grundlagen geschaffen werden, um Informationen zu speichern, Handlungsabläufe...

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