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Die «klassische Reitkunst»

Ideologie und Wirklichkeit – Konstanz und Wandel - Teil 1 und 2

Heinz Meyer

Die Arbeit expliziert die Bemächtigung des Menschen über das Pferd als die Basis der anthropologisch, kultursoziologisch und kulturhistorisch relevanten Mensch-Pferd-Beziehung. An die grundsätzliche Erörterung der Nutzung des Pferdes als Zug- und Reittier schließt sich die historische Darstellung an, zunächst die der Funktion des Pferdes in Antike und Mittelalter. Besonders detailliert informiert das Buch über die neuzeitlichen Lehrschriften zur Ausbildung des Reitpferdes. Diese Explikation reicht bis in die Gegenwart, bis zu den Richtlinien für den internationalen Hochleistungssport, den Reitlehren der sogenannten alternativen Szene und veterinärwissenschaftlichen Aussagen zur Nutzung des Pferdes. Kritisch beschreibt und deutet der Autor die diversen Auffassungen über die Ausbildung und die Nutzung des Pferdes unter dem Sattel. Ausdrücklich hebt er seine Analyse von den ideologischen Darstellungen der sogenannten «klassischen Reitkunst» ab. Neben den die Epochen überdauernden Auffassungen werden die Veränderungen und auch die Widersprüche benannt. Die verbreitete Überzeugung von einer einzig wahren, zeitunabhängigen und bis in die griechische Antike zurückreichenden Lehre identifiziert der Autor als ein ideologisches Konstrukt.

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IV. Generelle Entwicklungen in der Theorie und in der Praxis der Ausbildung des Pferdes unter dem Sattel

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511 IV..Generelle Entwicklungen in der Theorie und in der Praxis der Ausbildung des Pferdes unter dem Sattel 1. Der Einfluß der Heeresveterinäre und die veterinärmedizini- sche Bewegungsanalyse Die Reitmeister früherer Jahrhunderte hatten sich, wie gesagt, lange Zeit bevor deut- sche Veterinäroffiziere dies in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhun- derts taten, auf die "Natur" des Pferdes berufen und ihre Praxis ebenso wie ihre Theo- rie mit veterinärmedizinischen Annahmen und Erkenntnissen, insbesondere mit sol- chen der Anatomie und der Muskelphysiologie, legitimiert. Die Erkundung der "Na- tur" des Pferdes, diese definiert durch anatomische und physiologische Gegebenheiten und in begrenztem Maße auch durch das Verhalten, gewann neben der Arzneikunde sowie neben den veterinärmedizinischen Maßnahmen zur Heilung von Indispositionen und Krankheiten im Laufe der Jahrhunderte zunehmend an Bedeutung. Löhneysen(1609/10,241 ss.) zum Beispiel hatte, wie ebenfalls schon gesagt, die für die Haltung und die Nutzung des Pferdes relevante Veterinärmedizin noch als die Lehre von den Arzneien und von der Behandlung bestimmter Krankheiten verstanden. Er hatte diesem Komplex sogar über 80 Seiten gewidmet, sogar etwas mehr als der ei- gentlichen Reitlehre. In welchem Maße sich zumindest einzelne Ausbilder von der Veterinärmedizin kurative und auch prophylaktische Hilfe bei ihrer Arbeit verspra- chen, dokumentierte ebenfalls de la Guérinière. Er nahm – auch dies wurde schon an- gemerkt – in seine 1733 erschienene "Ecole de Cavalerie" nach der Pferdekunde und der Reitlehre einen dritten, nämlich veterinärmedizinischen, Teil auf, geschrieben...

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