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Verdachtsberichterstattung

Medienberichterstattung über Straftatverdächtige

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Nadine Kristin Keil

Die Kriminalität ist in vielfältiger Weise Thema der Berichterstattung. Der in den Medien geäußerte Straftatverdacht wirkt sich auf der einen Seite regelmäßig negativ und nachhaltig auf die Persönlichkeitsrechte des betroffenen Verdächtigen aus. Auf der anderen Seite ist die Öffentlichkeit an der Berichterstattung über Straftaten in besonderem Maße interessiert. Als Gefährten dieser sogenannten Verdachtsberichterstattung sind neben den Journalisten auch die Ermittlungsbehörden anzusehen. In der Arbeit wird dieses Konfliktfeld aufgearbeitet, seine Entwicklungen nachgezeichnet und Ansätze zur Lösung angeboten. Es wird insbesondere dafür plädiert, eine Berichterstattung bei Verwendung sogenannter Eingriffsverstärker sowie bei zu erwartenden schweren irreparablen Schäden für unzulässig zu erklären.

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Zweiter Teil. Die rechtmäßige Verdachtsberichterstattung

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71 Zweiter Teil Die rechtmäßige Verdachtsberichterstattung Für den Betroffenen, der mit dem Verdacht einer Straftat konfrontiert wird, sind in erster Linie die Kriterien einer zulässigen Verdachtsberichterstattung von In- teresse450. Berichten die Medien über eine Person im Zusammenhang mit einem strafrechtlich relevanten Verhalten, so haben sie besonders sensibel vorzugehen, da von derartigen Medienberichten eine erhebliche Prangerwirkung und damit ein beträchtliches Maß an Beeinträchtigung ausgehen kann. Es gilt daher, einen gesteigerten journalistischen Sorgfaltsmaßstab bei der Recherche zu beachten und die Pflicht im Rahmen der Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und dem Informationsinteresse der Allgemeinheit besondere Sorgfalt walten zu lassen. Die Medien haben zu berücksichtigen, dass die Be- richterstattung über einen Straftatverdacht, ein Ermittlungs- oder Gerichtsver- fahren die Gefahr in sich birgt, den Betroffenen - sofern er identifizierbar ist- mit einem schweren Makel zu behaften451. Die Anforderungen an die journalisti- sche Sorgfalt und die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung dürfen jedoch andererseits „nicht überspannt und insbesondere nicht so bemessen wer- den, dass darunter die Funktion der Meinungsfreiheit leidet“452. Straftaten, Ver- dachtsfälle und Gerichtsverhandlungen gehören nämlich zum Zeitgeschehen, deren Vermittlung an die Öffentlichkeit Aufgabe der Medien ist453. Dürften die Medien, sofern das Ansehen einer Person gefährdet ist, lediglich solche Infor- mationen veröffentlichen, deren Wahrheit im Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits sicher feststeht, könnten sie ihren durch Art. 5 Abs. 1 GG gewährleiste- ten Aufgaben im Rahmen der öffentlichen Meinungsbildung nicht gerecht wer- den454. Sie...

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