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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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Vorwort

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WOLFGANG JANTZEN Zu Autismus existiert eine schon lange nicht mehr zu überschauende Viel- zahl von Publikationen. Sichtet man den gegenwärtigen Diskussionsstand, so treten eine Reihe ernsthafter Probleme auf verschiedenen Ebenen ins Zentrum der Diskussion. Offensichtlich ist, dass eine bloß klassifizierende, normorientierte psychiatrische Diagnostik wie in DSM-IV oder ICD-10 nur die Oberfläche der Problematik widerspiegelt. Bezogen auf die notwendige Konzeptbildung der Psychopathologie hebt Kagan (1997, 331) hervor, dass alle gegenwärtigen diagnostischen Kategorien in ätiologischer Hinsicht heterogen sind. Entsprechend bemer- ken Rutter & Sroufe (2000, 278) auf Autismus bezogen, dass sich der Phä- notyp weit über die traditionellen Grenzen der Autismus-Diagnose er- streckt; atypische Varianten können auch aus kongenitaler Blindheit oder aus schwerer sozialer Deprivation bzw. Nahrungsdeprivation resultieren. Auch das Hospitalismussyndrom, das erstaunliche Übereinstimmungen zur Deprivation bei Tieren aufweist, bringt dem Autismus ähnliche Verhal- tensweisen hervor. Ist es wirklich so, dass „normales Sozialverhalten [...] bei autistischen Menschen in keiner Entwicklungsphase zu beobachten!“ ist (Petermann & Cordes 2000, 205)? Oder handelt es sich um ein Artefakt, das durch Re- produktion isolierender Bedingungen ständig rekonstruiert wird? Haben nicht viel eher 40 Stunden Verhaltenstherapie in der Woche (ebd.) den Charakter „einer Karikatur des Watsonschen Behaviorismus“, wie Eisen- berg, ein Mitarbeiter Kanners, bezogen auf häufig vorfindbare Strukturen in der Erziehungssituation autistischer Menschen festhält (zit. nach Bettel- heim 1983, 510)? Hatte Feuser schon 1979 recht, als er formulierte: „Das autistische Kind ist nicht autistisch“? Und wie ist die Bemerkung von Donna Williams (1997), die selbst „Autistin“ ist, einzuschätzen, dass das, was...

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