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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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1 Theoretische Grundlagen

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1.1 Modelle zur Beziehung von Selbst und Umwelt 1) Alle Lebewesen sind nach Varela und Maturana (1987) autopoieti- sche, also sich selbst organisierende lebende Systeme (in der folgenden Abbildung durch Kreise dargestellt, die jeweils einen – elliptisch darge- stellten – kognitiven Bereich beinhalten). Sie sind Einheiten, die strukturell – über Wahrnehmung und Bewegung (vertikale Pfeile) – an die Umwelt (gekurvte Linie) gekoppelt sind. Der Mensch stellt ebenfalls ein solches System dar. Alle Lebewesen zielen auf emotionales Wohlbefinden auf je gattungsspezifischem Niveau. Dies wird im Falle des Menschen haupt- sächlich über Bindungsmuster, also den so genannten ‚freundlichen Be- gleiter‘ (Trevarthen 1996) realisiert. 2) Durch Jantzen (2003) erfährt dieses Konzept eine Ergänzung zu ei- nem Raum-Zeit-Gefüge. Im dem Raum-Zeit-Gefüge Mensch sind die psy- chischen Prozesse zwischen den Zeitpolen Vergangenheit (V), Gegenwart (G) und Zukunft (Z) platziert. Hierbei liegen Bedürfnisse, Sinn und Ge- dächtnis im körperlichen und psychischen Raum (Ψ) der Vergangenheit und der Gegenwart, der jeweils eine Einheit bildet. In der fließenden Ge- genwart findet die Wahrnehmung (W) der Welt statt, die Beurteilung (B) Abbildung 1: Lebendes System (nach: Varela & Maturana 1987) 20 und Entscheidungsprozesse (E), die möglicherweise Auswirkungen bis in die Welt hinein haben. In der Gegenwart bilden sich Motive, die mittels Tätigkeit (T) oder Operation/Handlung (H) ein Ziel in der Zukunft anstre- ben. Die Emotionen als zeitliche Prozesse sind als deren Träger untrennbar mit den Motiven verbunden, sie vermitteln wechselseitig zwischen den drei Zeitdimensionen. Das semantische System konstituiert das psychische System als Raum-...

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