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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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3 Das kognitive Embodiment

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Eine Forschungsgruppe des ‚Istituto di Fisiologica Umana‘ der Universität Parma entdeckte 1996 im prämotorischen Kortex von Makaken eine Grup- pe sensomotorischer Neurone, die bei der Beobachtung einer zielgerichte- ten Hand-Objekt-Interaktion das selbe neuronale Potential aktiviert, das auch bei der eigenen Ausführung der Handlung entstünde. Aufgrund des wechselseitigen Auslösens von Aktivität, dem Spiegeln gleich, gaben sie ihnen den Namen Spiegelneurone13. Diese Entdeckung hat einen Paradig- menwechsel im interdisziplinären Feld von Psychologie, Neurolinguistik und Philosophie herbeigeführt. Bislang hatte sich die Kognitionstheorie laut Gallese (2007) zu sehr auf interne mentale Repräsentationen zur Erklä- rung geistiger Zustände anderer gestützt – jetzt wird eine direkte verkör- perte Simulation propagiert. Diese beruht auf dem erläuterten direkten neu- ronalen Zugang und dadurch auf einer direkt erfahrbaren Dimension an zwischenmenschlicher Beziehung. Galleses Prämisse ist, dass der Mensch den selben evolutionären Pro- zessen wie alle anderen Lebewesen unterliegt, es gibt infolgedessen weder in biologischen, noch in sozialen Prozessen eine scharfe Diskontinuität zwischen Tier und Mensch. Kognitive Fähigkeiten wurden nicht als solche ‚entworfen‘ und ‚installiert‘, sondern sind ein Ergebnis des gleichen ent- wicklungsgeschichtlichen Hergangs, den bis zum jeweils letzten gemein- samen Verbindungsglied auch andere Lebewesen durchlaufen haben. Insbesondere wird hier dargestellt, in welchem Zusammenhang die Spiegelneuronen mit dem System Sprache und zu den Sprachkompetenzen von Autisten stehen. 13 im weiteren Verlauf ‚SN‘ oder Spiegelneuronensystem ‚SNS‘ 60 3.1 Definition, Lokalisation und Funktionsweise Spiegelneurone sind Neurone, die sich in ihrer als psychisches System im Laufe...

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