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Prosa von Gabriele Wohmann

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Grit Dommes

Von 1958 an hat Gabriele Wohmann ein umfangreiches Œuvre veröffentlicht, überwiegend Prosa. Kritik und Forschung sind sich lange schon einig, was von diesem Werk zu halten ist: Im besten Fall werden der Autorin eine genaue Beobachtungsgabe und die Kenntnis von Kommunikationsstörungen im privaten Bereich bescheinigt. Beanstandet werden dagegen die immer gleichen Beschreibungen eines langweiligen Alltags und die Beschränkung auf den bürgerlichen Mittelstand. Liest man die Erzählungen und Romane jedoch konsequent im sozialen und literarischen Kontext der Bundesrepublik, ergibt sich ein anderes Bild. Dann stößt man auf Texte, die an literarischen Entwicklungen teilhaben, die zur Tagespolitik Position beziehen und dabei die Grundvoraussetzungen der zeitgenössischen Gesellschaft auf den Prüfstand stellen – Texte, denen in der Literaturgeschichte ein fester Platz gebührt.

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4 Erzählexperimente

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»Gabriele Wohmanns neue Erzählungen werden den Germanisten Freude bereiten.« (Klaus Podak, Sprachboxkämpfe) 4.1 Aufbrüche Von 1968 an erschienen einige Texte von Gabriele Wohmann, die sich in ihren Erzählverfahren von den anderen Kurzgeschichten unterscheiden. Die Titelerzäh- lung der Sammlung Ländliches Fest gilt der Forschung als »werkgeschichtlicher Angelpunkt«.232 Für die Erzählung Aus dem weißblauen Tagebuch über einen misslungenen Selbstmord, die im Mai 1969 in der Wochenzeitung Christ und Welt erschien, wurde Gabriele Wohmann mit dem Kurzgeschichten-Preis der Stadt Neheim-Hüsten ausgezeichnet.233 Der Rezensent jener Wochenzeitung nahm die Preisverleihung zum Anlass, über die neuen Möglichkeiten der Kurzgeschichte zu räsonnieren: »[…] daß die Kurzgeschichte heute als ›kurze Geschichte‹ oder ›Kurzprosa‹ weiterlebt und auch an der Entwicklung neuer Schreibtechniken teil- hat, zeigt das Beispiel von Gabriele Wohmann, deren preisgekröntes Opus der Jury- sprecher, der Lyriker Ernst Meister, als ›Bewußtseinsgeschichte‹ höchst treffend bezeichnete.«234 Im gleichen Jahr, 1969, erschien die Erzählung Die Segelregatta in der von Peter Handke herausgegebenen Anthologie Der gewöhnliche Schre- cken. Auffällig gehäuft trat die neuartige Kurzprosa von Wohmann dann in ihren zwei Textsammlungen von 1971 und 1972 auf: 1971 die Erzählungen Selbst- verteidigung und Der Boxkampf und als Wiederabdrucke Ländliches Fest und Die Segelregatta, im Jahr darauf Gegenangriff und Vorübergehend lebenslänglich. 232 Gerhard P. Knapp / Mona Knapp, Gabriele Wohmann, S. 67. 233 1965 hatte der Leiter der Volkshochschule dieser Stadt im Sauerland ein Schriftstellertreffen ins Leben gerufen, das sich...

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