Show Less

Prosa von Gabriele Wohmann

Series:

Grit Dommes

Von 1958 an hat Gabriele Wohmann ein umfangreiches Œuvre veröffentlicht, überwiegend Prosa. Kritik und Forschung sind sich lange schon einig, was von diesem Werk zu halten ist: Im besten Fall werden der Autorin eine genaue Beobachtungsgabe und die Kenntnis von Kommunikationsstörungen im privaten Bereich bescheinigt. Beanstandet werden dagegen die immer gleichen Beschreibungen eines langweiligen Alltags und die Beschränkung auf den bürgerlichen Mittelstand. Liest man die Erzählungen und Romane jedoch konsequent im sozialen und literarischen Kontext der Bundesrepublik, ergibt sich ein anderes Bild. Dann stößt man auf Texte, die an literarischen Entwicklungen teilhaben, die zur Tagespolitik Position beziehen und dabei die Grundvoraussetzungen der zeitgenössischen Gesellschaft auf den Prüfstand stellen – Texte, denen in der Literaturgeschichte ein fester Platz gebührt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Ausflug mit der Mutter (1976)

Extract

»Es fehlt im ganzen Umkreis Zärtlichkeit, Liebe.« (132) 6.1 Die neue Ehrlichkeit In Peter Handkes Erzählung Wunschloses Unglück (1972) verdichten sich die Reflexionen übers Schreiben einmal, fast schon in der Mitte des Textes, zu einer längeren Ausführung. In einer Parenthese nimmt der Erzähler die mögliche Kri- tik am bisher Gesagten vorweg – »Natürlich ist es ein bißchen unbestimmt, was da über jemand Bestimmten geschrieben steht« – und rechtfertigt sich, indem er sein Verfahren erklärt: Eine Gratwanderung bedeute es, das Persönliche, Verlet- zende soweit zu verallgemeinern, dass es auch andere betreffe, ohne deshalb zum »Literatur-Ritual« zu erstarren. »Wichtig ist nur, daß ich keine bloßen Zitate hinschreibe; die Sätze, auch wenn sie wie zitiert aussehen, dürfen in keinem Moment vergessen lassen, daß sie von jemand, zumindest für mich, Besonderem handeln – und nur dann, mit dem persönlichen, meinetwegen privaten Anlaß ganz fest und behutsam im Mittelpunkt, kämen sie mir auch brauchbar vor.«444 Vier Jahre später steht in Gabriele Wohmanns Roman Ausflug mit der Mutter eine vergleichbare Passage: »Mehr als sonst bin ich festgenagelt vom Eindruck, diese ganzen Sachen, diese ganzen Sätze, sie gehen keinen was an außer mir. Alles ist ausschließlich meine Sache. Alles, wovon ich rede, geht keinen was an außer mir: das ist mein ehrlichstes Schreibgefühl. Schon jeder einzelne Gedanke, der nicht nur mich allein was angeht, langweilt mich und macht mich ungedul- dig. Viel später erst wird...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.