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Prosa von Gabriele Wohmann

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Grit Dommes

Von 1958 an hat Gabriele Wohmann ein umfangreiches Œuvre veröffentlicht, überwiegend Prosa. Kritik und Forschung sind sich lange schon einig, was von diesem Werk zu halten ist: Im besten Fall werden der Autorin eine genaue Beobachtungsgabe und die Kenntnis von Kommunikationsstörungen im privaten Bereich bescheinigt. Beanstandet werden dagegen die immer gleichen Beschreibungen eines langweiligen Alltags und die Beschränkung auf den bürgerlichen Mittelstand. Liest man die Erzählungen und Romane jedoch konsequent im sozialen und literarischen Kontext der Bundesrepublik, ergibt sich ein anderes Bild. Dann stößt man auf Texte, die an literarischen Entwicklungen teilhaben, die zur Tagespolitik Position beziehen und dabei die Grundvoraussetzungen der zeitgenössischen Gesellschaft auf den Prüfstand stellen – Texte, denen in der Literaturgeschichte ein fester Platz gebührt.

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9 Schön und gut (2002) – Zwischenbilanz

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»Kolk starrte auf die riesigen Brüste der Italienerin. Vielleicht war ja doch was dran an den Geschichtchen, die Bonni, der Playboy, ihm immer erzählte. Von willi- gen Hausfrauen, scharfen Töchtern und einsamen Se- kretärinnen. Kolk hatte, auch als Eilzusteller, bisher nie solche Erlebnisse gehabt.« (Frank Schulz, Kolks blonde Bräute) Der Titel ist Programm. Gabriele Wohmann, der die Kritik lange den ›bösen Blick‹ anhängen wollte, die dann im Roman Schönes Gehege den Schriftsteller Plath von »winzigen Anstiftungen zum Glück« sprechen lässt755, woraufhin der Literaturbe- trieb gleich eine »versöhnliche Wende« im Œuvre verkündete756, schrieb mit Schön und gut einen Roman, in dem sich zwischen der Bihuhnsuppe am Anfang und der am Ende eine Quasi-Ehe festigt und ein Liebespaar findet. Das ist so rund wie die Struktur des Textes, bei dem am Anfang und am Schluss ein Erzähler einen Ausflug der vier Protagonisten schildert, während die 14 Kapitel dazwischen abwechselnd die Perspektiven der ›Kinder‹ David und Muriel wiedergeben. Die Familie, um die es geht, besteht nur zum geringeren Teil aus Verwandten: Der sechzehnjährige David ist Louis’ Sohn, seine Mutter ist gestorben und Flora ist nicht einmal seine Stiefmutter, weil sie und Louis nicht geheiratet haben. Muriel, die so alt ist wie David, gehört der Familie als assoziiertes Mitglied an, da ihre Eltern Ethnologen sind, die oft und lange auf Forschungsreisen gehen, und ihr Vater Louis’ Halbbruder ist. (5-7, 27) An dieser Konstruktion fällt auf, dass...

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