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Prosa von Gabriele Wohmann

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Grit Dommes

Von 1958 an hat Gabriele Wohmann ein umfangreiches Œuvre veröffentlicht, überwiegend Prosa. Kritik und Forschung sind sich lange schon einig, was von diesem Werk zu halten ist: Im besten Fall werden der Autorin eine genaue Beobachtungsgabe und die Kenntnis von Kommunikationsstörungen im privaten Bereich bescheinigt. Beanstandet werden dagegen die immer gleichen Beschreibungen eines langweiligen Alltags und die Beschränkung auf den bürgerlichen Mittelstand. Liest man die Erzählungen und Romane jedoch konsequent im sozialen und literarischen Kontext der Bundesrepublik, ergibt sich ein anderes Bild. Dann stößt man auf Texte, die an literarischen Entwicklungen teilhaben, die zur Tagespolitik Position beziehen und dabei die Grundvoraussetzungen der zeitgenössischen Gesellschaft auf den Prüfstand stellen – Texte, denen in der Literaturgeschichte ein fester Platz gebührt.

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Literatur

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kann das nicht sein. Für solche Pauschalver- urteilungen ist der Autorbegriff noch in Zeiten seiner größten Krise ohne Zögern in den Dienst genommen worden. Dabei zeigt sich, dass im Werk von Gabriele Wohmann gelungene Texte neben mittelmäßigen und schlechten stehen. Und es lässt sich keine Kurve oder Linie zeichnen, mit der sich das als Entwicklung darstellen ließe.769 »Die Erzählerin weiß stets, wovon sie redet«, hatte Heinz Schöffler 1970 ge- lobt. »Wenn sie ein Stück Wirklichkeit beschreibt – und es im Beschreiben auf Wohmannsche Weise ›umfunktioniert‹ –, dann hat sie sich erst ein Bild von dieser Wirklichkeit gemacht, ehe sie es dem Leser weitergibt.«770 Auf die gelun- genen Texte trifft dieses Urteil tatsächlich zu, sie sind auf der Höhe ihrer Zeit und sie partizipieren an den Diskursen, die für die Nachkriegs- und Gegenwarts- literatur prägend geworden sind. Es ist nicht die Treue zu bestimmten Themen, die der Literatur von Gabriele Wohmann gefährlich werden könnte, sondern der Verlust von Zeitgenossenschaft, auch von kultureller.771 Wenn sich ihre Texte auf ein bisschen oberflächliche Kulturkritik beschränken772, erzeugt das ›Woh- mannisieren‹ in der Tat »Stehsatz«. Wo immer ihr Werk aber die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland im Spiegel privater Konstellationen einfängt, kann aus der thematischen Beschränkung eine Qualität erwachsen. Gabriele Wohmann schreibt weiter. 769 Dennoch lassen sich Tendenzen erkennen. So trifft auf Schön und gut durchaus zu, was Ingrid Laurien formuliert: »Zunehmend scheint« Gabriele Wohmann, »hart am...

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