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China in der deutschen Literatur 1827-1988

Edited By Uwe Japp and Aihong Jiang

Dieser Band dokumentiert die Resultate einer 2011 in Peking durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren. Der Gegenstand der Aufsätze ist die Imagination Chinas in der deutschsprachigen Literatur von 1827 bis 1988. Behandelt werden Werke von Goethe, Schiller, Fontane, Karl Kraus, Brecht, Kafka, Döblin, Vicki Baum, Hermann Kinder und Michael Krüger. In der Regel kommt es dabei zu perspektivischen Doppelinterpretationen – aus chinesischer und deutscher Sicht. Zugleich kann die Übereinstimmung und die Differenz unterschiedlicher Wissenschaftsstile am Beispiel studiert werden. Eine Auswahlbibliographie zum Thema schließt den Band ab.

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Die Chinesische Mauer von Karl Kraus: Wenjie Liu

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Die Chinesische Mauer von Karl Kraus Wenjie Liu Karl Kraus nimmt eine besondere Stellung in der Wiener Moderne ein. In der Literaturgeschichte und in der Forschung ist er bis heute umstritten. In China wird sein Name selten erwähnt. Karl Kraus war österreichischer Schriftsteller mit jüdischer Herkunft. Er wurde 1874 in Gitschin (der heutigen Tschechischen Republik) geboren, 1936 starb er in Wien. 1877 zog er mit seiner Familie dorthin, ins Zentrum der Habsburger Doppelmonarchie. 1899 gründete er Die Fackel, eine satirische, zeit- und gesellschaftskritische Zeitschrift, die sehr einflussreich war. Kraus war nicht nur Herausgeber, sondern nach 1911 auch der einzige Verfasser dieser Zeitschrift. Sein Essay Die chinesische Mauer wurde zuerst 1909 in der Fackel (Nr. 285-286) veröffentlicht. Das Gesamtwerk von Karl Kraus besteht aus Essays, Aphorismen, Dramen und Lyrik. Er gilt als einer der wichtigsten Vertre- ter der Wiener Literatenszene zur Jahrhundertwende. Kraus hat in den ersten Jahren der Fackel seine satirische Energie vor allem für die Aufdeckung von Korruptionsskandalen und anderen aktuellen Ereignis- sen aufgewendet. Vor allem war er bekannt für seine Anprangerung des Wiener Pressewesens, insbesondere der Neuen Freien Presse. Dabei kritisierte er auch scharf die heuchlerische Sexualmoral der bürgerlichen Gesellschaft. Die chinesi- sche Mauer ist in dieser Phase entstanden. Wie oben erwähnt, lebte Karl Kraus die längste Zeit seines Lebens bis zu seinem Tod in Wien. Er war also niemals in China. Anders als Goethe oder beispielsweise auch Döblin hat Kraus sich zeitlebens nicht besonders eingehend mit China...

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