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Der Linksliberalismus in der Bundesrepublik um 1969

Konjunktur und Profile

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Klaus Weber

In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, aus welchem Grund der politische Linksliberalismus in der Bundesrepublik zwischen Ende der 1960er Jahre und dem «Krisenjahr» 1973 eine Konjunktur erleben konnte. Zugleich wird anhand profilierter Persönlichkeiten – Hildegard Hamm-Brücher, Ralf Dahrendorf, Karl-Hermann Flach und Werner Maihofer – der Frage nachgegangen, ob ebendiese Protagonisten lediglich Profiteure oder auch Mitinitiatoren dieser linksliberalen «Welle» gewesen sind. Waren die Linksliberalen also bloß «Wellenreiter» oder schlugen sie selbst die Woge, auf der sie ihre spätere politische Einflussnahme in der FDP gründen konnten? Bewirkten die Protagonisten eine Veränderung, die ihren Aufstieg bedingte oder bewirkte eine Veränderung ihren Aufstieg?

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4. Der (zu) frühe Zenit

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4.1 Revolution und Evolutionserwartung Mit dem Jahreswechsel 1966/67 und dem Beginn der Großen Koalition begann eine neue Ära in der parlamentarischen Geschichte der Bundesrepublik.750 Das Besondere war unter anderem, dass die Regierungsparteien, deren Kabinett „Reformstimmung“ manifestierte und „in besonderem Maße Kompetenz und Sachverstand“751 verkörperte, im Bundestag etwa neunmal mehr Abgeordnete stellten als die FDP-Opposition, wel- che ihrerseits in die politische Bedeutungslosigkeit zu geraten drohte. Es gab zwei entscheidende Gründe dafür, dass nun eine Große Koalition in der Bundesrepublik überhaupt möglich war: Zum einen war bereits seit der Spiegel-Affäre und den darauf folgenden Verhandlungen zwischen Union und SPD eine entscheiden- de Zäsur erfolgt,752 die ihrerseits wiederum durch die Godesberger Wandlung der SPD ursächlich ermöglicht wurde. So kann man für die Mitte der 1960er Jahre in der Bun- desrepublik eine Tendenz gen Entideologisierung erkennen,753 „wobei zu beachten ist, daß sich auf den Flügeln und in Gruppen aller Parteien und auch außerhalb schon wieder Re-Ideologisierungsbestrebungen regten. Im Grunde aber waren ‚Rechts‘ und ‚Links‘ damals sinnentleert wirkende Begriffe. Denn CDU, CSU, FDP und SPD wirk- ten allesamt konturenloser und ideologisch ausgezehrter als zuvor.“754 Insofern waren etwaige parteipolitisch unüberwindbare Grenzen ausreichend geschleift worden. Zum anderen schienen mittlerweile die gegenwärtigen Probleme – insbesondere im wirt- schaftlichen Bereich – derart drängend, dass lediglich einer Großen Koalition die nöti- 750 Ähnlich Kielmansegg, welcher meint, dass es in der politischen Geschichte der Bundesrepu- blik nur eine große...

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