Show Less

Class action-reaction

Zur Zustellung einer missbräuchlichen class action-Klageschrift und den Reaktionsmöglichkeiten deutscher Unternehmen

Series:

Timo Lenth

Der europäisch-amerikanische Justizkonflikt hält Juristen und Unternehmen schon lange in Atem. Vermehrt werden europäische Unternehmen in den USA verklagt und sehen sich dort mit einer Reihe von prozessualen (aber auch materiell-rechtlichen) Nachteilen konfrontiert. Besondere Brisanz erlangt der Konflikt, wenn eine class action droht. Solche repräsentativen Schadensersatzverfahren erlangen durch die Anspruchsbündelung eine erhebliche wirtschaftliche und medienwirksame Bedeutung, was zu hohem Vergleichsdruck führt und häufig als missbräuchlich empfunden wird. Der Autor behandelt die Frage, ob der Missbrauchseinwand geeignet ist, die Rechtshilfe für die Zustellung einer class action-Klageschrift an ein Unternehmen in Deutschland zu verweigern. Er bettet diese besondere Klageform in das US-amerikanische Rechtssystem als Ganzes ein und beleuchtet dabei die übrigen klägerfreundlichen Rechtsinstitute. Er arbeitet class action-spezifische Missbrauchsindikatoren heraus, die im Rahmen der Rechtshilfeentscheidung zur Identifikation von Missbrauchskonstellationen herangezogen werden sollten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

TEIL 3: Verteidigungsmöglichkeiten des Beklagten

Extract

§ 8 Verteidigungsmaßnahmen gegen class actions (insbesondere gegen die Zulassung einer Klage als class action) nach den FRCP Für deutsche Unternehmen, die mit einer in den USA anhängigen Klage belastet sind, stellt sich die Frage, ob es Sinn ergibt, sich bereits gegen die Klagezustel- lung zur Wehr zu setzen. Darüber hinaus ist die Frage zu beantworten, mit wel- chen Mitteln sich ein Unternehmen gegen class actions, insbesondere gegen die Zulassung einer Klage als class action, wehren kann. Unabhängig davon kann es ratsam sein, in eine gute Litigation-PR zu inves- tieren.824 Litigation-Public Relations beschreibt eine Verteidigungsstrategie durch Medienpräsenz. Beklagtenvertreter versuchen hierbei gezielt, mit Hilfe der Medien ihre Rechtsansicht publik zu machen, um so entweder der Rufschä- digung zuvorzukommen oder eine solche einzudämmen. Ist das Unternehmen primär vom Kaufverhalten von Konsumenten abhängig, so sollten Pressemittei- lungen verständlich und breitflächig verbreitet werden. Wichtig ist es, sachliche Argumente für juristische Laien verständlich zu machen.825 Ist das Unternehmen zudem noch börsennotiert, so empfiehlt es sich, detaillierte Informationen zu ihrer Rechtsansicht an Aktionäre, Broker, Investoren und Vertragspartner zu übermitteln. Denn insbesondere Aktiengesellschaften sind sehr anfällig für ne- gative publicity, die sich nicht selten unmittelbar auf ihren Börsenkurs nieder- schlägt.826 824 Vgl. auch Hannes, PHi 2004, S. 130, 137. 825 Die Klägerseite ist insoweit im Vorteil, als dass sie juristisch komplexe Sachverhalte einfach plakativ in der Presse verbreiten und hierdurch einen großen Teil der juristisch nicht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.