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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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Vorwort

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Volker Neuhaus Am 16. Oktober 2012 konnte Günter Grass seinen fünfundachtzigsten Geburts- tag begehen – in aller Stille, wie er es sich gewünscht hatte. Dennoch gab es im engsten Grass-Umfeld zwei herausragende öffentliche Veranstaltungen, die den eigentlichen Geburtstag rahmten: In Lübeck wurde am 14. Oktober die auch im internationalen Umfeld literarischer Stätten bahnbrechend neue Konzeption der Dauerausstellung zu Günter Grass präsentiert und am 18. Oktober lud Gerhard Steidl zur Premiere des neuen Lyrikbandes Eintagsfliegen nach Göttingen ein, wobei gleichzeitig Konzept und Rohbau eines zukünftigen Ausstellungs- und Archivbaus zu Grass und seinen Verlagen vorgestellt wurde. Aber selbst die Rezeption des neuen Gedichtbandes, des vielleicht schönsten Gesamtkunstwerks in der lange Reihe Grass’scher Lyrikbände, blieb überschat- tet von der Tatsache, dass in der veröffentlichten Meinung anlässlich von Grass’ 85. Geburtstag nicht „der grandiose Fabulierer“ im Mittelpunkt stand, sondern „der ganz späte Grass“, und der habe eben im jüngsten Gedichtband „einen Text unter dem tabubrecherisch gedachten, aber tatsächlich läppisch und trotzig an- mutenden Titel Was gesagt werden muß veröffentlicht“, wie Thomas Andre im Hamburger Abendblatt resümierte. Der Mediensturm, den Grass damit im Früh- jahr 2012 entfesselte, wirbelte so viel Staub auf, dass fünfzig Jahre Weltruhm nahezu sang- und klanglos dahinter verschwanden. Dazu passt eine der „Sieben Thesen zum Journalismus“, die Götz Hamann und Bernd Ulrich am 22. November 2012 in der Zeit veröffentlichten: Es gebe keine publizistischen Lager mehr; „Journalisten stehen dem...

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