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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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Endzeitvisionen mit Mitteln der Technik. Über die säkularisierte Apokalypse in Günter Grass‘ Roman Die Rättin - Rudolf Drux (Köln)

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Endzeitvisionen mit Mitteln der Technik. Über die säkula- risierte Apokalypse in Günter Grass‘ Roman Die Rättin Rudolf Drux (Köln) Der Weihnachtswunsch des Ich-Erzählers „wurde erfüllt. Unterm Christbaum überraschte die Ratte“ ihn, von der er sich „Reizwörter für ein Gedicht, das von der Erziehung des Menschgeschlechts handelt“, erhoffte.1 Sie liefert allerdings eher die Geschichte von dessen Untergang, der gleichsam letzten Konsequenz dieses der Aufklärung so angelegenen universellen Bildungsauftrags. Ihr Käfig nimmt, „von Tannenzweigen überdacht“, in der nach alter christlicher Familien- tradition weihnachtlich geschmückten Stube genau den Platz „der Krippe mit dem bekannten Personal“ ein – und damit rückt an die Stelle des Jesus- Knäbleins, des eingeborenen Sohn Gottes, im Heu das irdisch vulgäre Nagetier in weiblicher Version, „die graubraune Wanderratte“ (8), „im Streu aus gelock- ten Hobelspänen“ raschelnd (7). Doch schon bald wird sich die „niedliche Weihnachtsratte“ zum Unheilspropheten wandeln, der sich alle biblischen Schriften ‚einverleibt‘ hat.2 Auf drei Aspekte dieser Entwicklung möchte ich im Folgenden kurz eingehen. 1) „Unsere Gegenwart macht Zukunft fraglich“. Von Vornherein ist mit dieser Darstellung jedenfalls der theologische Kern des zwar nicht „höchsten“ (wie manche Interpreten des Romans meinen)3, aber doch wohl emotionalsten Kirchenfestes, an dem die Inkarnation, die Menschwerdung 1 Günter Grass: Die Rättin. Luchterhand: Darmstadt, Neuwied, 1986, S. 7 (die eingeklammer- ten Zahlen im Text beziehen sich auf die Seiten dieser Ausgabe). Um das auf der Kölner Grass-Tagung im September 2012 Referierte möglichst...

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