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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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Grass‘ Wechselgesang mit Martin Luther – Das Meißner Tedeum - Anselm Weyer (Köln)

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Grass‘ Wechselgesang mit Martin Luther – Das Meißner Tedeum Anselm Weyer (Köln) Gerade im Spätwerk immer häufiger berichtet Günter Grass von Gesprächen mit verstorbenen Künstlern, die, „aus der Geschichte herbeizitiert“ (Beim Häuten der Zwiebel 195)1, am Essenstisch der Familie zu einem Gedankenaustausch erscheinen. Dieser Austausch mit den Kulturgrößen vergangener Tage wird in Beim Häuten der Zwiebel oder etlichen Gedichten der Eintagsfliegen lediglich berichtet, wenngleich zuweilen durchaus präzise hinsichtlich der gewählten Ge- sprächsthemen. In einem früheren Werk praktiziert Grass jedoch bereits einen faktischen Dialog mit Martin Luther. Wie ist es dazu gekommen und wie sieht dieser Dialog aus?2 Bei einer gemeinsamen Zugfahrt vom Lago Maggiore in die Deutsch- schweiz berichtete der junge Komponist Wolfgang Hufschmidt Günter Grass, für den er gerade ein Stück für Sprechstimme und Flöte komponiert hatte, von seinem aktuellsten Projekt: Das tausendjährige Jubiläum des Bistums Meißen und die damit einhergehende Grundsteinlegung des Meißner Domes im Jahr 1968 waren 1966 für den Meißner Domkantor Erich Schmidt und die Internatio- nale Heinrich-Schütz-Gesellschaft, den Komponisten Wolfgang Hufschmidt mit der Komposition eines Te Deums zu beauftragen, „aus Dankbarkeit über die Verschonung der alten Domstadt im zweiten Weltkrieg“3. Nachdem Hufschmidt nach Meißen gereist war, um seine Komposition an der spezifischen Architektur des Domes ausrichten zu können, entschied er sich schnell für ein besonderes Konzept. Am 12. Oktober 1966 schreibt er Domkantor Schmidt:...

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