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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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„Glaube Hoffnung Liebe“ – Das Kapitel der Un-Heilsgeschichte in der Blechtrommel - Beate Schirrmacher (Stockholm)

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„Glaube Hoffnung Liebe“ – Das Kapitel der Un-Heilsgeschichte in der Blechtrommel Beate Schirrmacher (Stockholm) Dieser Beitrag untersucht die Auseinandersetzung des Kapitels „Glaube Hoffnung Lie- be“ in der Blechtrommel mit Paulus’ Hohelied der Liebe aus 1. Korinther 13, auf das der Titel anspielt. Deutlich ist, dass Oskar die Novemberpogrome unter anderem als eine moralische Bankrotterklärung des Christentums gestaltet. Wie dies jedoch im Kapitel durchgeführt wird, lässt sich erst unter Berücksichtigung der Struktur des Kapitels er- schließen, besonders der transmedialen Gemeinsamkeit mit musikalischen Strukturen. Oskars Kritik wird hier, wie anderswo, performativ durchgeführt, d.h. er inszeniert das, was er anprangert. Die Heilsgeschichte des Christentums wird somit zur Un- Heilsgeschichte eines profanierten tausendjährigen Reiches. Nicht nur die Grundtugen- den aus 1. Kor. 13, sondern auch das christliche Sakrament des Abendmahls, das Paulus in 1. Kor. 11 als Gedächtnismahlzeit installiert, wird gegenständlich inszeniert und in sein Gegenteil verkehrt: Aus dem Erinnerungsritual der Sündenvergebung durch den Op- fertod des Erlösers wird eine kannibalistische Teilhabe der gesamten Bevölkerung am Tod von Millionen in Auschwitz. Ein Kapitel für ein „brüllende[s], ausgehungerte[s] Orchester“, so wird in der Blechtrommel das Kapitel „Glaube Hoffnung Liebe“ angekündigt (252). Dann präsentiert der Erzähler Oskar ein grausames Anti-Märchen, das sich in seiner Hervorhebung von Repetitivität, Simultanität und Performativität an musikali- sche Strukturen anlehnt.1 Doch weder musikalische Intermedialität noch die Märchenform, die ständige Rückkehr des Märchenanfangs „Es war...

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