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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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„Wenn gestorben wird, dann allenfalls gegen Schluß“ – Der Tod bei Günter Grass - Anselm Weyer (Köln)

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„Wenn gestorben wird, dann allenfalls gegen Schluß“ – Der Tod bei Günter Grass Anselm Weyer (Köln) Der Tod ist eindeutig eines der zwei größten Themen der Welt und deshalb zwangsläufig allgegenwärtig in der Weltliteratur – da müssen nicht erst die Sha- kespeare’scher Dramen mit ihrem exorbitanten Bodycount herangezogen wer- den. Günter Grass hat im Jahr 1995 in seinem kurzen Essay Nach zwanzig Seiten waren alle Helden tot eindrücklich geschildert, dass er im jugendlichen Übermut literarisch ebenfalls durchaus brachial begann, als er im Alter von etwa 13 Jah- ren dem Aufruf einer NS-Jugendzeitschrift folgte und seinen ersten Roman, ein Werk über die Kaschuben, schrieb: Gleich zu Beginn der Niederschrift unterlief mir ein folgenschwerer Fehler. Nicht das geduldige Beharrungsvermögen der Kaschuben bestimmte mein Schreibtempo, vielmehr waren es ritterlicher Totschlag, Femegerichte und die dieser Gerichtsbar- keit entsprechenden Fememorde. Blut floß im Übermaß. Mit anderen Worten: Nach zwanzig Seiten Sütterlinprosa im Kontobuch meiner Mutter waren alle Helden tot, war die Geschichte aus, entging der NS-Jugendzeitschrift „Hilf mit!“ ein Preisträger, sparte ich mir ein Thema auf, das noch immer nicht vergangen sein will, und wurde mir eine kaschubische Lehre erteilt. Seitdem gehe ich behutsam mit meinem fiktiven Personal um. Wenn gestorben wird, dann allenfalls gegen Schluß.1 Grass‘ Helden segnen in der Tat relativ selten das Zeitliche. Bei manchen Prota- gonisten ist der Tod ungewiss, wie bei Oskars Großvater Josef Koljaiczek, der „sich allen Nachforschungen der Polizei unter dem endlosen Holz“ (Blechtrom- mel 37)2...

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