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Kodifikation in Europa

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Edited By Arnd Koch and Matthias Rossi

Kodifikationen erheben den Anspruch, einen Rechtsstoff systematisch, umfassend und abschließend zu normieren. Der Kodifikationsgedanke beherrschte die kontinentaleuropäische Rechtsentwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund zunehmender Diversifizierung und Europäisierung des Rechts stellt sich indes die Frage nach seiner Zukunftsfähigkeit. Die hier versammelten Aufsätze, die auf eine Augsburger Ringvorlesung zurückgehen, dokumentieren den Stand der gegenwärtigen rechtswissenschaftlichen Diskussion. Es wird gezeigt, dass die Kodifikationsidee auch im 21. Jahrhundert eine Zukunft hat.

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Systembildung in Europas Kodifikationen (Christoph Becker)

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37 Systembildung in Europas Kodifikationen Christoph Becker A. Geordnete Gesetze Wenn der moderne Leser ein Gesetzbuch zur Hand nimmt, erwartet er, bei seiner Lektüre in einer schlüssigen Abfolge durch die Gedanken des Gesetzes geleitet zu werden. Selbst der nicht juristisch Ausgebildete vermutet, dass er die Regelungsgehalte nicht in beliebiger, sondern in wohlerwogener und gut nachvollziehbarer Anordnung vorfinde. Unterschiede in den Erwartungen werden lediglich darin bestehen, dass der eine ein mehr assoziatives Voran- schreiten entlang gedachter Handlungsabläufe zu lesen hofft, während der andere eher Wert auf eine scharfe Abschichtung von übergreifenden und unmittelbar anwendungsbezogenen Bestimmungen legt. Dieser zweite, zu- meist fachlich vorbereitete Leser wird zufrieden sein, wenn er gestufte zu- sätzliche Abstraktionen innerhalb des ohnehin generell-abstrakten Textes vorfindet. Denn seine Lektüre darf er auf ein ihm vertraut gewordenes Schema stützen. Jener erstgenannte Leser hingegen wird, wenn er - insbe- sondere als gern sogenannter juristischer Laie - im gleichzeitigen Umgang mit mehreren Ebenen von Abstraktion noch nicht sehr vertraut ist, den in Schichten unterschiedlichen Abstraktionsgrades gegliederten Gesetzestext vermutlich ratlos wieder zur Seite legen. Die Frage nach der Ausbildung von systematischer Ordnung in den heute geltenden europäischen Gesetzbüchern ist nicht allein mit Erheben eines aktuellen Befundes zu beantworten. Vielmehr kann man die Anlage der ge- genwärtigen Gesetzbücher nur aus einem Wachstum über viele Jahrhunder- te hinweg begreifen. Schon die heute allerorten übliche Trennung zwischen einem Zivilgesetzbuch und einem Strafgesetzbuch ist keine Selbstverständ- lichkeit, sondern ein Entwicklungsergebnis. Mit anderen Worten ist das,...

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