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Kodifikation in Europa

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Edited By Arnd Koch and Matthias Rossi

Kodifikationen erheben den Anspruch, einen Rechtsstoff systematisch, umfassend und abschließend zu normieren. Der Kodifikationsgedanke beherrschte die kontinentaleuropäische Rechtsentwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund zunehmender Diversifizierung und Europäisierung des Rechts stellt sich indes die Frage nach seiner Zukunftsfähigkeit. Die hier versammelten Aufsätze, die auf eine Augsburger Ringvorlesung zurückgehen, dokumentieren den Stand der gegenwärtigen rechtswissenschaftlichen Diskussion. Es wird gezeigt, dass die Kodifikationsidee auch im 21. Jahrhundert eine Zukunft hat.

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Nationale Kodifikation und europäisches Unionsprivatrecht – ein Blick in das „Gesetzgebungslaboratorium“ Italien (Peter Kindler)

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83 Nationale Kodifikation und europäisches Unionsprivatrecht – ein Blick in das „Gesetzgebungslaboratorium“ Italien Peter Kindler A. Einleitung I. Ursprung und Inhalt der Kodifikationsidee Die Kodifikation erscheint heute jedenfalls in Kontinentaleuropa als die selbstverständlichste äußere Gestalt des Rechts.1 Dabei sprechen wir hier von einer Form der Gesetzgebung, deren Anfänge sich erst im späten 18. Jahrhundert ausmachen lassen. Die Idee, die ihr zugrunde liegt, also die „Kodifikationsidee“ im Sinne des Leitmotivs dieser Augsburger Ringvorle- sung, entspringt der Kritik am römischen Recht, wie es seit der Rezeption im kontinentalen Europa Geltung erlangt hatte, ferner aus den systematischen Bemühungen der Rechtswissenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts, und schließlich den naturrechtlichen Postulaten der Aufklärung. Die Kasuistik, wie sie Justinians Corpus Iuris auszeichnet, sollte dem Leitprinzip weichen, dass Gesetze allgemeine Regeln enthalten sollten. Die Gelehrten plädierten für systematisch aufgebaute und umfassende Gesetze. (Hätte es damals an den Rechtsfakultäten schon eine Fachschaft Jura gegeben, sie hätte sich die- sem Postulat gewiss angeschlossen). Dem Naturrecht der Aufklärung ent- sprang die inhaltliche Forderung nach einem allgemeinen bürgerlichen Recht, welches die Freiheitssphären der Rechtsunterworfenen verlässlich festlegte. Bezüglich der äußeren Gestalt, die danach den Gesetzen zu geben sei, hatte sich im 17. und 18. Jahrhundert eine wissenschaftliche Diskussion über ganz Europa hin entzündet, an der u.a. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646- 1716) und Montesquieu (1669-1755) mitgewirkt haben, aber auch bedeu- tende Italiener wie der neapolitanische Gelehrte Gaetano Filangieri (1753- 1788)2 und...

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