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Internet und Altwerden

«Silver Surfer» und «Best Ager» – Surfen im Seniorenalter

Marie-Louise Rendant

Die «Silver Surfer» oder «Best Ager», wie Senioren im Internet gerne bezeichnet werden, verzeichnen in den letzten Jahren die höchsten Zuwächse und implementieren zunehmend das Internet in ihren Alltag. Umso unverständlicher ist es, dass über das Nutzungsverhalten dieser Zielgruppe wenig bekannt ist. Diese Studie will die bestehende Lücke schließen. Zielstellung ist die empirische Überprüfung, ob das Internet eine kompensierende Funktion auf eine große und größer werdende Klientel hat bzw. eine aktivierende Wirkung auf das alternde Individuum. Diese Vorstellung folgt der Annahme, dass Menschen mit zunehmendem Alter etwas fehlt bzw. etwas verlieren. In der Bilanzierung ihrer Lebenslagen ergeben sich jedoch nicht nur ein Bild von Defiziten, sondern auch viele Ressourcen. Die Auswertungen zeigen, dass ältere Onliner das Internet reflexionsorientiert und bedarfsgerecht zur Kompensation ihrer Defizite und Verluste nutzen. Im Abgleich mit gerontosoziologischen Theorien erweisen sie sich als verantwortungsvolle Medienrezipienten, die das Internet zum «erfolgreichen Altern» einsetzen.

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8. Zusammenfassende Schlussdiskussion

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8.1 Ertrag des Theoriebezugs Deutlich wurde durch die Analyse zu dieser Studie nicht nur, inwieweit die Le- benslagen heutiger Älterer Ressourcen-Charakter haben, sondern auch, mit wel- cher Selbstverständlichkeit sie einem Abgleich mit der Internetnutzung standhal- ten können. Dies trifft für die gesundheitliche Lage Älterer sowie dem sozialen Leben und der gesellschaftlichen Beteiligung zu. Hier sind Faktoren zu finden, die die Web-Aktivität nicht einschränken, sondern, ganz im Gegenteil, vielmehr und geradezu als kausale Notwendigkeit herausfordern, und zwar aufgrund al- tersbedingter Risiken. Zu diesem Umstand gehört, dass Ältere - das Plus an Lebensjahren zwar bei durchschnittlich besserer Gesundheit erle- ben können als früher, diese aber mit zunehmendem Alter abnimmt, - ein im Gesamtbild zwar positives Sozialleben zeigen, dieses jedoch auch mit zunehmenden Alter Formen der Rollenreduktion, Verlusten von Interaktions- partnern und Reduktionen von Netzwerkgrößen aufweist. Demzufolge bezieht sich die Verbesserung der gesundheitlichen Lage in ers- ter Linie auf die ersten Jahre nach der Entberuflichung, in denen auch physisch und psychisch die Voraussetzungen für ein aktives Leben gegeben sind und so- ziale Aktivitäten gelebt werden. Das heißt, hier sind neben dem hohen Risikoan- teil ebenso Ressourcen auffindbar, wo die vielfältigen und vor allem komfortab- len Formen der computervermittelten Kommunikation ansetzen können. Im Ergebnis präsentieren die Lebenslagen der gegenwärtigen Alterspopula- tion im Längsschnittvergleich Ressourcen, die die Situation heutiger Älteren im Gegensatz zu früheren Altenpopulationen beschreiben und im Querschnitt Risi- ken, die sich Älteren mit zunehmendem Alter...

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