Show Less

Zinsschranke und IFRS

Rechtssystematische Einordnung einer punktuellen Maßgeblichkeit der IFRS im Steuerrecht am Beispiel der Zinsschranke

Series:

Alexander Kersten

Im Rahmen der Zinsschrankenregelung (§§ 4h EStG, 8a KStG) nimmt der Steuergesetzgeber explizit Bezug auf die internationale Rechnungslegung nach IFRS. Diese neuartige Verknüpfung wirft eine Vielzahl von Fragen im Spannungsfeld von deutschem Steuerrecht und internationaler Rechnungslegung auf. Diese betreffen neben der verfassungs- und europarechtlichen Legitimation der Zinsschranke insbesondere die Vereinbarkeit internationaler Bilanzierungsregeln mit dem Steuerrecht im Allgemeinen und der steuerlichen Gewinnermittlung im Besonderen. Dabei bilden die konkreten Anwendungsfragen, wie z. B. die Abgrenzung des Konzernkreises für steuerliche Zwecke oder die Notwendigkeit steuerlicher Korrekturrechnungen, den Schwerpunkt der Untersuchung.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Zusammenfassung der Ergebnisse

Extract

281 Die Untersuchung hat gezeigt, dass die steuerliche Beratung von Unter­ nehmen zukünftig umfassende Kenntnisse der IFRS erfordert. Die auf kapitalmarktorientierte Unternehmen ausgerichtete IFRS-Rechnungsle- gung hält im Rahmen der Zinsschranke unmittelbar Einzug in das deut­ sche Ertragsteuerrecht. Aus Sicht der Steuerpflichtigen ist die Regelung eine weitere, unnötig komplexe Verschärfung der steuerlichen Rahmen­ bedingungen für unternehmerisches Handeln in Deutschland. Der büro­ kratische Aufwand wird durch die Zinsschranke einmal mehr erhöht und die Steuererklärung ist um eine neue Anlage „Zinsschranke“ zu er­ weitern. Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung lassen sich in folgen­ den Thesen zusammenfassen: 1. Mit Einführung der Zinsschranke im Rahmen der Unternehmen­ steuerreform 2008 hat der Gesetzgeber in mehrfacher Hinsicht steuer­ systematisches Neuland betreten. Während das Rechtsfolgenkonzept einem internationalen Trend folgt, ist das Tatbestandskonzept, insbe­ sondere durch die Anknüpfung an internationale Rechnungslegungs­ standards, beispiellos. 2. Bei der Zinsschranke handelt es sich um einen - aus fiskalischer Sicht - nachvollziehbaren Versuch, das Ziel der Missbrauchsbekämpfung mit Gegenfinanzierungsinteressen im Kontext einer steuerwettbe- werbsorientierten Unternehmensteuerreform zu vereinbaren. Die Zinsschranke als gesetzgeberische Antwort auf missbräuchliche Ge­ staltungen grenzüberschreitender Steuerplanung steht in einem Spannungsverhältnis zwischen der Sicherung inländischen Steuer­ substrats und der weitgehenden Beibehaltung der inneren Ordnung der Unternehmensbesteuerung unter Einhaltung gemeinschafts­ rechtlicher und verfassungsrechtlicher Vorgaben. 3. Die Zinsschranke ist bereits in ihrer Grundkonzeption gewichtigen verfassungsrechtlichen und europarechtlichen Bedenken ausgesetzt. Sie führt zu einer Durchbrechung des objektiven Nettoprinzips und damit zu einer Ungleichbehandlung im Sinne des Art. 3...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.