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Religiöse Reformvorstellungen als Krisensymptom?

Ideologen, Gemeinschaften und Entwürfe «arteigener Religion» (1871-1945)

Jörn Meyers

Gegenstand der Arbeit ist das Phänomen der «arteigenen Religion/Religiosität», welches in Deutschland seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts zu beobachten ist. Die Arbeit befasst sich sowohl mit den verschiedenen theoretischen Ansätzen prominenter Ideologen und Wegbereiter als auch mit den zahlreichen Strömungen und Gemeinschaften, die in gegenseitiger Konkurrenz standen. Anhand von Kriterien wie Aufbau und Organisation, soziale Basis oder Lehre wird herausgearbeitet, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschen Christen, Neugermanen oder okkulten Ariosophen liegen. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, weshalb die artreligiösen Gemeinschaften ausgerechnet im Dritten Reich ihr Ende fanden. Der Autor nahm im Vorfeld an, dass es sich bei den Entwürfen arteigener Religion primär um eine Reaktion auf eine als bedrohlich empfundene Gegenwart, also um ein Symptom der Zeit handelt. Ziel der empirisch-deskriptiven Studie ist es daher, anhand des Quellenmaterials diese These zu be- oder auch zu widerlegen. Arteigene Religion – ein Symptom der Zeit? Ein Versuch, der «Moderne» mit ihren sozialen, kulturell-religiösen und ökonomisch-politischen Krisen eine nationale, der «deutschen Art und Rasse» gemäße religiöse Ordnung entgegenzusetzen?

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Teil D: Ariosophie

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Die Ariosophie („Weisheit der Arier“) ist hauptsächlich mit den Namen Guido (von) List (1848-1919) und Jörg Lanz (von) Liebenfels (1874-1954) verbunden.1839 Auf ihn geht Begriff der „Ariosophie“ zurück, der diesen 1915 einführte.1840 Ob- wohl damit Lanz zunächst seine eigene Lehre bezeichnete, wurde der Begriff auch auf Guido List und verwandte Strömungen angewendet. Der Ariosophie sind ver- schiedene religiöse Lehren zuzurechnen, die die völkische Ideologie aufgriffen und mit Okkultismus und der Theosophie verbanden. 1. Exkurs: Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891) und die Geheimlehre (Theosophie) Die moderne Theosophie („Weisheit der Götter“) geht überwiegend auf die Deutschrussin Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891) zurück. Sie ist die Autorin der beiden Standardwerke Isis Unveiled (1877, dt. Die entschleierte Isis, auch Isis entschleiert) und The Secret Doctrine (1888-1897, dt. Die Geheimlehre).1841 Blavatsky begab sich auf die Quelle der alten Weisheit, die sie zunächst in Ägyp- ten, ab 1879 jedoch zunehmend in Indien bzw. im Himalaja anzutreffen glaubte. „Blavatsky suchte gleichermaßen die traditionelle biblische Schöpfungsgeschichte wie die Entwicklungslehre Darwins zu widerlegen und durch einen aktualisierten Mythos von angeblich indisch-arischer Herkunft zu ersetzen.“1842 Ziel von Blavatsky war es, „auf der Höhe des wissenschaftlichen Diskurses und im Einklang mit den Spitzen der Forschung eine theosophische Weltanschauung zu begründen und so ‚die Vereinigung von Wissenschaft, Religion und Philosophie‘, wie der 1839 Beide Autoren haben sich offensichtlich selbst geadelt, deshalb die Klammer um das -von-, auf die im Weiteren verzichtet wird. Zur Adelung und der wichtigen...

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