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Die theoretische Aneignung der Produktionsmittel

Gegenstand, Struktur und gesellschaftstheoretische Begründung der polytechnischen Bildung in der DDR

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Andreas Tietze

In der Verbindung von produktiver Arbeit und Erziehung sah Karl Marx «eines der mächtigsten Umwandlungsmittel der heutigen Gesellschaft». Diesen Anspruch aufgreifend wurde in der DDR ein umfassendes, curricular ausdifferenziertes System polytechnischer Bildung entwickelt, das Produktionsbetriebe systematisch in die schulische Allgemeinbildung einbezog. Diese Arbeit stellt die konzeptionelle Entwicklung der polytechnischen Bildung in der DDR auf der Grundlage veröffentlichter und archivalischer Quellen dar. Sie zielt darauf, auf der Basis einer theoriegeschichtlichen Analyse sowohl das hohe internationale Renommee als auch die praktischen Schwächen dieses Wesenselements der DDR-Schule im Besonderen und der sozialistischen Schulbildung im Allgemeinen zu begründen.

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II. Wurzeln und Traditionen – Die theoretischen Voraussetzungen der polytechnischen Bildung in der DDR

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2. Arbeit und Erziehung bei Karl Marx und Friedrich Engels – Zum Ursprung der Idee der polytechnischen Bildung MARX und ENGELS äußerten sich zwar an verschiedenen Stellen ihres Werkes zu Fragen der Erziehung, jedoch ohne ein pädagogisches Begriffssystem zu ent- wickeln. Dennoch wurde ihr gesellschaftstheoretischer Ansatz des historischen Materialismus zur Grundlage einer marxistischen Erziehungstheorie, die sich in ihren Prämissen, ihren Methoden und ihrer Zielstellung wesentlich von bisheri- gen Theorien unterschied.77 Als Phänomen der gesellschaftlichen Wirklichkeit wie auch als bedeutendes Mittel zur Aneignung dieser Wirklichkeit durch das Subjekt, nahmen MARX und ENGELS Erziehungsfragen durchaus wahr. Wenn auch nicht systematisch herausgearbeitet, finden sich die zentralen Elemente eines materialistischen Erziehungsverständnisses daher bereits in ihrem Werk. Die Relevanz der polytechnischen Bildung innerhalb der MARXschen Erzie- hungsauffassungen bzw. innerhalb der sich auf MARX berufenden pädagogi- schen und erziehungstheoretischen Positionen wird dabei höchst unterschiedlich bewertet. Während vor allem bis 1990 zahlreiche Autoren der polytechnischen Bildung zentrale Bedeutung zuschrieben78, bzw. manche sie auch heute noch zumindest als wichtiges Element der MARXschen Erziehungsauffassungen ver- stehen79, bleibt sie in aktuellen Beiträgen zur pädagogischen Marxforschung bzw. zur Bestimmung marxistischer Pädagogik vielfach unberücksichtigt. So stellt z. B. SCHMIED-KOWARZIK zwar heraus, dass die „Aneignung der totalen Produktivkräfte durch die vereinigten Individuen“80 auch die „einsichtige und 77 Vgl. dazu u. a. Marx, Karl/Engels, Friedrich: Über Pädagogik und Bildungspolitik (2 Bände). Ausgewählt und eingeleitet von Heinz Schuffenhauer, Johannes Goldhahn, Leo Hartung, Gotthold Krapp unter Mitarbeit von Werner Lesanovsky...

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