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Die theoretische Aneignung der Produktionsmittel

Gegenstand, Struktur und gesellschaftstheoretische Begründung der polytechnischen Bildung in der DDR

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Andreas Tietze

In der Verbindung von produktiver Arbeit und Erziehung sah Karl Marx «eines der mächtigsten Umwandlungsmittel der heutigen Gesellschaft». Diesen Anspruch aufgreifend wurde in der DDR ein umfassendes, curricular ausdifferenziertes System polytechnischer Bildung entwickelt, das Produktionsbetriebe systematisch in die schulische Allgemeinbildung einbezog. Diese Arbeit stellt die konzeptionelle Entwicklung der polytechnischen Bildung in der DDR auf der Grundlage veröffentlichter und archivalischer Quellen dar. Sie zielt darauf, auf der Basis einer theoriegeschichtlichen Analyse sowohl das hohe internationale Renommee als auch die praktischen Schwächen dieses Wesenselements der DDR-Schule im Besonderen und der sozialistischen Schulbildung im Allgemeinen zu begründen.

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III. Die Verbindung von Arbeit und Erziehung in der Pädagogik der SBZ/DDR

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4. Wiederaufbau und Arbeitserziehung Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Niederlage des deut- schen Faschismus stand das Bildungswesen in Deutschland vor der Aufgabe der inhaltlichen, organisatorischen und personellen Reorganisation. Vor dem Hin- tergrund der zonalen Teilung des Landes und der sich sukzessive abzeichnenden Entwicklung der internationalen Blockkonfrontation, die im geteilten Deutsch- land ihren gewissermaßen konzentrierten Ausdruck fand, begann der Wieder- aufbau und darin eingebettet die Wiedererrichtung des Bildungswesens. Die Ausgangsbedingungen, bildungspolitischen Zielsetzungen, ebenso wie die ein- geleiteten Maßnahmen des bildungspolitischen und pädagogischen Neubeginns nach 1945 sind in der Literatur gut dokumentiert, so dass an dieser Stelle darauf verwiesen werden kann.258 In der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) wurde früh- zeitig, bereits im Juni 1946, ein Schulgesetz erlassen, welches sich vor allem durch eine grundsätzlich antifaschistische Ausrichtung und strukturelle Einheit- lichkeit der Schule auszeichnete. So hieß es in dessen Präambel: „Die demokratische schule muß frei sein von allen elementen des militarismus, des imperialismus, der völkerverhetzung und des rassenhasses. Sie muss so aufgebaut sein, daß sie allen jugendlichen, mädchen und jungen, stadt- und landkindern, ohne unterschied des vermögens ihrer eltern das gleiche recht auf bildung und seine ver- wirklichung entsprechend ihren anlagen und fähigkeiten garantiert.“259 (Klein- schreibung im Original) Das durch das Gesetz geprägte Verständnis eines demokratischen und antifa- schistischen Bildungswesens war, den gesellschaftlichen Bedingungen entspre- chend, zumindest nicht explizit auf den Sozialismus orientiert. Es ermöglichte jedoch die Schaffung jener bildungspolitischen Grundlagen, auf denen sich...

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