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Allgemeine Pädagogik am Beginn ihrer Epoche

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Edited By Jürgen Rekus

Die vermeintlich «evidenzbasierten» Bildungsreformen haben seit mehr als zehn Jahren viel Wind gemacht, aber nicht zum Sturm auf die Bildung geblasen. Heute gerät die Allgemeine Pädagogik als kritische Reflexionsinstanz nach Jahren abseitiger Theoriediskussionen wieder in den Blick der öffentlichen Erwartung und bildungspolitischen Aufmerksamkeit und steht am Beginn einer neuen Epoche. In ihrer historisch-systematischen Perspektive kann sie helfen, die von der empirischen Bildungsforschung aufgeklärte Realität zu würdigen und für die Zukunftsgestaltung zu gewichten. Sie ist keineswegs rückwärtsgewandt, blickt aber vor dem Überholen in den Rückspiegel. Allgemeine Pädagogik ist keine Alternative zur empirischen Bildungsforschung, sondern ihr notwendiges Komplement.

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PERSPEKTIVEN

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187 Johann J. Beichel Ästhetische Erziehung, ihre Konsequenzen und Erträge für die Allgemeine Pädagogik In der aktuellen Diskussion über den Wandel der Lehrperson vom Instrukteur zum umfassenden Lernbegleiter rücken einmal mehr die personalen Qualitäten der Pädagogen in den Fokus. Darüber hinaus sollen die nachfolgenden Plädoyers die Chancen und Bedeutung der Mimesis als besondere Form der Lehrkompe- tenz fundieren: Christoph Wulf etwa sucht und findet „Ästhetische Wege zur Welt“ über seinen Klärungsversuch zum Verhältnis „Mimesis und Erziehung“, und Johannes Beck plädiert mit seinen „Ansichten zu einer Ästhetik der Bildung“ für die „Wieder- versinnlichung von Bildung und Wissenschaft“. Auch Vertreter der Transzendentalkritischen Pädagogik fordern eine gezielte Ausbildung von Wahrnehmungsmöglichkeiten, des Wahrnehmungsgenusses und der Wahrnehmungskritik. Ästhetische Erziehung gehöre unerlässlich in den Ka- non dessen, was keinem Schüler heute zu ersparen sei, aber gerade nicht als Hin- führung zur so genannten Kunst als Wert, sondern als Erfahrbarmachung seines Lebens mit der Aisthesis. Man muss davon ausgehen, dass theoretische Erkenntnisse als Wissen aus- schließlich als Flankierung einer schöpferischen Praxis akzeptabel sind, denn - um im Bilde zu sprechen - wer studiert schon gerne Kochrezepte, ohne jemals kochen und essen zu dürfen? Peter Sloterdijk bringt das Praxispostulat unter Zurückstellung überzogener qua- litativ-künstlerischer Sorgen auf den Punkt: „Soll aber das, was wir von Tag zu Tag treiben, Leben bedeuten, so muss es sich als etwas Unbekanntes, sich selber Fremdes, sich selber Unheimliches, sich selber...

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