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Vom Umgang mit der Leiche im 19. Jahrhundert

Der Fall der Giftmörderin Christiane Ruthardt und die Tübinger Anatomie

Gunver Werringloer

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den besonderen Geschehnissen beim Transport der Leiche einer jungen Giftmörderin namens Christiane Ruthardt in die Tübinger Anatomie. Sie war am 27. Juni 1845 wegen Gattenmords in Stuttgart auf der Feuerbacher Heide öffentlich durch das Schwert hingerichtet worden. Bei der Überstellung ihres Leichnams an das anatomische Institut kam es zu groben Übergriffen und Misshandlungen ihrer Leiche. Ziel der Untersuchung ist es, neben der Betrachtung der menschlichen und juristischen Konsequenzen – insbesondere hinsichtlich der Todesstrafe – den unterschiedlichen Motiven und Hintergründen für die Tat auf den Grund zu gehen und die Auswirkungen des Falles auf die Tübinger Anatomie genau zu rekonstruieren. Diese Untersuchung stützt sich auf die Auswertung der gedruckten und der ungedruckten Quellen zum Fall. Als wichtigste gedruckte Quellengruppe ist die zeitgenössische Presse unter Einbeziehung ihrer Sonderausgaben zu nennen. Für diese Untersuchung von entscheidender Bedeutung war jedoch die Auswertung der ungedruckten Originalquellen des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, des Staatsarchivs Ludwigsburg und des Universitätsarchivs Tübingen. Die hier archivierten Akten erwiesen sich als besonders aufschlussreich.

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1. Einleitung

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Die vorliegende Darstellung beschäftigt sich mit den besonderen Vorkommnissen beim Transport der Leiche der am 27. Juni 1845 hingerichteten Giftmörderin Christia- ne Ruthardt in die Tübinger Anatomie und versucht, mögliche Gründe dafür zu nen- nen. Was bewegte die Menschen in Dettenhausen – diesen Ort passierte der Lei- chentransport – und Tübingen, den Körper der in Stuttgart hingerichteten Frau über Stunden pietätlos, ohne Wahrung von Moral und Anstand zu misshandeln? Kann dieses nur als Folge von Wut auf eine ruchlose Mörderin interpretiert werden, die im Verständnis des Volkes eine zu geringe Strafe für ihr Vergehen erhalten hatte? War das Volk durch die lange Dauer des Prozesses (413 Tage) und die immer neuen Meldungen zur grausamen Natur der Mörderin so aufgebracht, dass es an ihr auszu- führen suchte, wo das Gesetz vermeintlich versagt hatte? Oder spielten hier etwa auch Neugier und Sensationslust, gepaart mit einem tief sitzenden Aberglauben, eine entscheidende Rolle? Ziel der Untersuchung ist es, vor allem den möglichen Motiven für die Taten auf den Grund zu gehen und sie zu analysieren, aber auch die Konsequenzen menschlicher und juristischer Art zu ermitteln. Hat sich am Anatomischen Institut der Universität Tübingen der Umgang mit Leichen nach dem Vorfall verändert? Kann man dem Fall Christiane Ruthardt einen juristischen Einfluss auf die Veränderungen im Umgang mit der Leiche und der Todesstrafe in den deutschen Territorien nachweisen? Die vorliegende Arbeit versucht Antworten auf die formulierten Fragen zu...

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