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Medien der Auferstehung

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Helga Finter

Welchen Einfluss hat das Denken der Auferstehung seit der Renaissance auf die Medienkultur Europas und inwiefern prägen die oft kontroversen Konzeptionen der Religionen wie auch ihre Aporien noch heute Medien und Künste? Welche Auswirkungen haben sie auf unser Verständnis von Sprache, Repräsentation, Subjekt, Körper und Medium? Medien der Auferstehung versammelt Antworten zur Aktualität des Auferstehungsbegriffes aus den Bereichen Text-, Theater-, Tanz-, Medien-, Film-, Musik- und Kunstwissenschaft, Philosophie und Anthropologie sowie der Theater- und Musikpraxis.

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Helga Finter - Vorwort 7

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7 Vorwort Helga Finter Im Juli 2010 war im Zollverein Essen während des Festivals „Theater der Welt“ eine Performance des italienischen Künstlers Romeo Castellucci zu sehen, die als On the Concept of the Face, Regarding the Son of God, vol. I angekündigt war. Der italieni- sche Originaltitel Sul concetto di volto nel figlio di dio – „Zum Konzept des Antlitzes im Sohn Gottes“ – fügte eine weitere Präzision hinzu, denn das im Gegensatz zu faccia vor allem für sakrale und poetische Kontexte verwendete volto, vom lateinischen vultus abgeleitet, indiziert zugleich einen Gesichtsausdruck und damit – wie im vultus Christi des Schweißtuchs der Veronika – die Präsenz eines Abwesenden. In der Tat bildet ein vultus Christi – eine auf mehrere Meter vergrößerte Reproduktion des Gesichtsausschnitts aus Antonello da Messinas Salvator Mundi –1 den szenischen Hintergrund für Castelluccis Performance, deren Aktion, gerahmt von der unmoti- vierten Gewalt von Jugendlichen gegen das Bild des Erlösers bzw. Retters der Welt, menschliche Gebrechlichkeit, Verfall und Altersinkontinenz ins Zentrum stellte. Im Angesicht dessen, der das Geschehen und den Betrachter mit dem frontalen Blick visiert, der bis zu Dürers Selbstbildnis von 1500 der Darstellung des Auferstande- nen oder transfigurierten Jesus vorbehalten war, um so seine ewige Allgegenwart als „ich war, bin und werde sein“ zu behaupten, wurde szenisch menschliches Sein, das dem Tode und den Trieben verfallen ist, ebenso verhandelt wie die Frage nach dem heutigen Weiterwirken der göttlichen Botschaft der Liebe. Romeo Castellucci thematisierte so mit dem Bilde...

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