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Probleme und Perspektiven sprechwissenschaftlicher Arbeit

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Edited By Ursula Hirschfeld and Lutz Christian Anders

Die Sprechwissenschaft entwickelt für das sprachlich-sprecherische Handeln von Menschen eine fachspezifische Problemsicht und eigenständige Lösungsansätze, die zugleich immer interdisziplinär geprägt sind. Ihre Arbeitsbereiche sind breit gefächert, sie reichen von klinischen Diagnose- und Therapieverfahren über rhetorische und sprechkünstlerische Fragestellungen bis zu normphonetischen Gegenständen und zur Sprachsynthese. Die hier zusammengestellten Publikationsfassungen von Vorträgen, die zu Ehrenkolloquien für Frau Prof. Dr. Eva-Maria Krech und Herrn Prof. Dr. Eberhard Stock gehalten wurden, und weitere Studien zu aktuellen Forschungsarbeiten, beinhalten grundsätzliche Überlegungen zur Positionsbestimmung und zu den Perspektiven einzelner sprechwissenschaftlicher Teildisziplinen. Sie zeigen die engen Zusammenhänge und Berührungspunkte der sprechwissenschaftlichen Teilbereiche und verschiedener benachbarter Wissenschaftsdiziplinen.

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Baldur Neuber Überlegungen zum Verhältnis von Kommunikation und Konstruktion in der Sprechkunst 61

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Überlegungen zum Verhältnis von Kommunikation und Kon- struktion in der Sprechkunst Baldur Neuber, Jena 1 Problemdarstellung Aus sprechwissenschaftlicher Perspektive befindet sich die Sprechkunst in ei- nem Grenzbereich zwischen eher theoretisch-empirischen und eher künstleri- schen Beschreibungsmöglichkeiten. Gemessen am Gegenstand haben beide Be- trachtungsweisen gleichermaßen Berechtigung, da das Sprechen literarischer Texte einerseits einen hohen Anteil an individueller künstlerischer Leistung so- wie ausgeprägte ästhetische Rezeptionsfähigkeit verlangt, andererseits jedoch auch als eine Subform sprechsprachlicher Kommunikationsprozesse, ausgestat- tet mit allen für die Sprechkommunikation typischen Prozesskomponenten, sys- tematisch untersucht werden kann Hebt man in der Betrachtung den künstlerischen Aspekt besonders hervor, so muss konsequenterweise das Originäre und Individuelle des sprechkünstleri- schen Prozesses als zentraler Gedanke der Beschreibung fungieren, da sich Kunst neben handwerklicher Meisterschaft insbesondere durch Besonderheit und Einzigartigkeit des jeweiligen Gegenstands oder Ereignisses auszeichnet, wobei dies gleichermaßen produktions- wie rezeptionsseitig gilt. Will man aus dieser Sichtweise heraus die Summe vieler sprechkünstlerischer Ereignisse be- schreiben, so kommt man zu einer Aussage wie Aderhold (1997, 19): „Es gibt so viele Interpretationsmöglichkeiten wie es Interpreten gibt." Man kann jedoch auch der entgegengesetzten Position nachgehen: Es gibt im- mer künstlerische Ereignisse und Sprecher, die von vielen Rezipienten als quali- tativ herausragend beurteilt werden, so wie es Ereignisse und Sprecher gibt, die auf Ablehnung stoßen. Bereits Winkler äußert, Kunst selbst sei nicht lernbar, „wohl aber das Handwerk, das zur Kunstübung nötig ist" (1958, 7). 61 Es lässt sich also schlussfolgern,...

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