Show Less

Zwischen Stille und Stimme

Zur Figur der Schweigsamen bei Madeleine Bourdouxhe, Marguerite Yourcenar, Marguerite Duras, Clarice Lispector, Emmanuèle Bernheim und in den Verfilmungen der Romane

Series:

Kathrina Reschka

Die Untersuchung der Figur der Schweigsamen zeigt, dass diese in ausgewählten Texten der (Post-)Moderne dem Prozess einer Umwertung unterliegt: Schweigen erscheint hier als besondere Gabe. Die Umcodierung der traditionell negativ konnotierten Frauenfigur beruht auf einer anderen Art der Darstellung, der écriture de l’approchement. Die Fülle des weiblichen Begehrens kann so unter Wahrung seiner Unsagbarkeit im Text erscheinen. Die vorliegenden intermedial-interdisziplinär fundierten close readings sind ein Beitrag zu den Gender Studies im Bereich der romanistischen Literatur- und Filmwissenschaft: Ansätze der feministischen Literaturtheorie (Körper-Schreiben) werden um die der Filmwissenschaft ergänzt und mit denen der Mystik der Moderne, der Körpersprache und der Phänomenologie verbunden.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

I. EINLEITUNG

Extract

Elle s’échange elle-même sans cesse avec l’autre sans identification possible de l’un(e) ou l’autre. Ce qui fait question à toute économie en cours. Que la jouissance de la femme met irrémédiablement en échec dans ses calculs: s’accroissant indéfiniment de son passage dans/par l’autre.1 Den Anstoß zur vorliegenden Untersuchung gab der Werkzyklus India Cycle von Marguerite Duras, mit dem ich mich im Rahmen meiner Magisterarbeit be- fasst habe.2 Im Zuge dieser Arbeit vertiefte sich nicht nur mein Interesse an der Rolle des Körpers in der erzählten Welt – insbesondere im Hinblick auf Figuren, die dort kaum zu Wort kommen. Durch das Nebeneinander von Texten und Fil- men im India Cycle wurde mir auch bewusst, wie sehr der „intermediale Dia- log“ bei der sogenannten Literaturverfilmung gerade für eine Figur wie die der Schweigsamen von Gewinn sein kann. Bei der hier vorgenommenen Auswahl an Romanen und ciné-romans wur- den deshalb gerade diejenigen Werke berücksichtigt, von denen eine filmische Transformation vorliegt. Die Analyse der sechs ausgewählten Texte konzentriert sich jeweils auf vier Einzelaspekte und zwar in der Reihenfolge, in der sie in der Einleitung vorgestellt und problematisiert werden: Körper und Sprache, Körper- Schreiben, renouveau mystique und schließlich Film. Die Gruppe der ausgewählten femmes de lettres bilden mit Marguerite Yourcenar (1903–1987) und Madeleine Bourdouxhe (1906–1996) zwei gebür- tige Belgierinnen, mit Marguerite Duras (1914–1996) eine im kolonialen Indo- china aufgewachsene Französin, die in der Ukraine geborene Brasilianerin...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.