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Interkulturelle Erkundungen

Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen- Teil 1

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Andrea Benedek, Renata Alice Crisan and Szabolcs János

Der Band vereint die Beiträge der IV. Internationalen Germanistentagung, die unter dem Titel Interkulturelle Erkundungen. Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen im September 2010 an der Christlichen Universität Partium in Oradea (Rumänien) stattfand. Der im Zeichen der Interdisziplinarität gestaltete Band beinhaltet sowohl Studien zu Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, Presseforschung als auch Beiträge zu den deutschen Regionalliteraturen und zur Rezeptionsgeschichte der deutschen Literatur im nichtdeutschsprachigen Raum.

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Die deutsche Literatur der Goethezeit in ungarischer Sicht. László Tarnói (Budapest)

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Die deutsche Literatur der Goethezeit in ungarischer Sicht László Tarnói (Budapest) I. Man sagt, in der Natur gibt es keine zwei Blätter an den Bäumen, die einander gleich wären, und ich setze hinzu, noch weniger gibt es zwei Ansichten in der geistigen Welt, die miteinander völlig übereinstimmten. Der Franzose Jean Jacques-Antoine Ampère schrieb 1826 über Goethes Tasso, er sei „ein gesteigerter Werther“.1 Nach Eckermann war Goethe darüber hocherfreut und hat den Franzosen mit überschwänglichen Worten als den ein- zigen gewürdigt, der ihn und sein Werk richtig verstanden habe. Man fragt sich dabei, waren davor vier Jahrzehnte hindurch die vielen Leser, Zuschauer und Kritiker dieses Goethedramas in Deutschland alle im Irrtum? Und lauter Fehlur- teile bildeten auch diejenigen, die später anderthalb Jahrhunderte lang in aller Welt – so unterschiedlich auch ihre Goethe-Lesarten und Argumente ausfallen mochten –, u. a. mit Tasso und der Iphigenie Goethes endgültigen Bruch mit Ideen, Formen und poetischen Attitüden des Sturm und Drang und gleichzeitig seine hochklassischen Anfänge belegten? Haben die Ungarn Ferenc Toldy (der erste Literaturhistoriker der Ungarn) und József Bajza (Literaturtheoretiker und erster Direktor des ungarischen Nationaltheaters) Goethe völlig missverstanden, wenn sie ihre eigene Entwicklung mit ihrer allmählichen Distanzierung von ih- rer früheren Begeisterung für den deutschen Sturm und Drang sowie mit ihrer gleichzeitigen „Wendung“ zu Goethes „Egmont, Tasso, und Iphigenie“ charak- terisierten?2 Schiller tat sich schwer mit seinem Wilhelm Tell, als er aus dessen – wie...

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